Die Spiegeltherapie bei Hemiparese nutzt die Illusion eines Spiegels, um die
betroffene Körperhälfte zu trainieren. Ein Spiegel wird so platziert, dass das Spiegelbild der gesunden
Seite den Eindruck erweckt, die
betroffene
Seite zu bewegen. Dies aktiviert die entsprechenden Gehirnregionen und fördert die motorische Funktion. Die
Therapie ist eine Form des mentalen Trainings, erfordert Konzentration und wird von Ergo- oder Physiotherapeuten durchgeführt.
Wie die Spiegeltherapie funktioniert
- Positionierung des Spiegels: Der Patient sitzt vor einem Tisch, auf dem ein vertikal ausgerichteter Spiegel platziert wird.
- Ausblenden der betroffenen
Seite: Die gelähmte Körperseite (z. B.
Arm oder
Bein) wird hinter dem Spiegel versteckt, sodass sie nicht sichtbar ist.
Bewegung der gesunden
Seite: Der Patient führt Bewegungen mit der gesunden Körperhälfte aus. - Visuelle Illusion: Im Spiegel sieht der Patient das Spiegelbild seiner gesunden
Seite. Dies erzeugt die Illusion, dass die gelähmte
Seite sich frei bewegt. - Gehirnaktivierung: Durch diese visuelle
Stimulation werden die Gehirnregionen aktiviert, die für die
Bewegung der betroffenen
Seite zuständig sind.
Ziele und Nutzen
Aktivierung der betroffenen Hemisphäre: Die Spiegeltherapie fördert die neuronale
Plastizität und Aktivität der Gehirnhälfte, die die gelähmte
Seite steuert. - Verbesserung der Motorik: Durch gezielte Übungen und mentale Vorstellung können die Bewegungsfähigkeit und die Koordination der betroffenen Gliedmaßen verbessert werden.
- Schmerzreduktion: Die
Therapie kann auch bei Schmerzzuständen wie dem komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) oder Phantomschmerzen eingesetzt werden, indem sie die Schmerzverarbeitung im Gehirn beeinflusst.
Wichtige Hinweise
- Aktive Teilnahme: Die Spiegeltherapie erfordert eine hohe Konzentration und aktive Mitarbeit des Patienten.
- Therapeutische Begleitung: Ein Physiotherapeut oder Ergotherapeut ist für die Durchführung und Anpassung der
Therapie notwendig. - Eignung: Die
Therapie eignet sich für Patienten, die Anweisungen folgen und sich konzentrieren können. Sie kann auch bei Patienten mit einer schweren
Hemiparese hilfreich sein, selbst wenn die
betroffene
Hand kaum beweglich ist.
Kurze Einführung in die Spiegeltherapie

Die Spiegeltherapie ist eine in den 90er Jahren entwickelte Methode zur Behandlung verschiedenster chronischer Schmerzsyndrome. Professor Ramachandran und sein Team haben sich zunächst auf Phantomschmerzen konzentriert und die Effektivität dafür nachgewiesen. In den vergangenen Jahren wurden jedoch auch bei anderen Krankheitsbildern sehr gute Verbesserungen erzielt, indem die Spiegelneurone aktiviert wurden.
Spiegelneuronen
Im Zuge der Spiegeltherapie werden die Spiegelneuronen im Gehirn aktiviert. Aber was bedeutet das genau? Im dorsalen Anteil des prämotorischen Kortex befinden sich Spiegelneurone. Es handelt sich hierbei um spezielle Neurone, die während der Umsetzung einer visuellen Information in eine motorische Aktion aktiviert werden. Während der Beobachtung der eigenen
Bewegung im Spiegel werden die Spiegelneurone aktiviert. Sie haben eine wichtige Funktion für das Wiedererlernen von Bewegungen und damit für die motorische
Rehabilitation. Eine Spiegelung der nicht betroffenen Extremität ohne
Bewegung der betroffenen Extremität bewirkt eine Aktivität in wichtigen motorischen Arealen, die man ansonsten nur über eine willkürliche
Bewegung der betroffenen Extremität erreichen
würde.
Wie wird die Spiegeltherapie angewendet?
- z.B. Für die
Aktivierung eines Armes, einen Spiegel auf dem Tisch platzieren, in den der Klient seitlich schaut. Der
betroffene
Arm liegt hinter dem Spiegel und ist für den Klienten nicht sichtbar. Mit dem gesunden
Arm führt der Patient nun Übungen durch, die er im Spiegel beobachtet. Dabei entsteht im Gehirn die Illusion, der
betroffene
Arm sei selbst aktiv. Allein durch die Vorstellung der
Bewegung werden die zugehörigen motorischen und sensorischen Areale im Gehirn aktiviert. - Kurz: gesunde Gliedmaße wird gespiegelt, somit ist das beeinträchtigte Gliedmaß für das Gehirn scheinbar sichtbar (siehe Bild)
Voraussetzung für das motorische
Training ist eine ausreichend hohe Anzahl an Wiederholungen der jeweiligen Bewegungsabläufe, ca. 10 – 15 Wiederholungen – TÄGLICH!
Therapie bedeutet in den meisten Fällen, dass der Patient jemanden aufsucht (einen Arzt, einen Therapeuten, etc.), der dann die geeignete Maßnahme durchführt. Unwillkürlich entsteht dabei oft der Eindruck, dass der Patient nichts selber gegen sein Problem unternehmen kann. Spiegeltherapie geht hier genau den entgegengesetzten Weg: der Patient muss selbst aktiv werden – sonst kann kein Effekt eintreten. Auch die Regelmässigkeit des Trainings führt dazu, dass die Verantwortung für die
Therapie beim Patienten liegt. In der Praxis zeigt sich auch, dass die Spiegeltherapie sehr schnell zu einer Verbesserung führt. So ist der Patient motiviert die
Therapie auch durchzuführen – weil sich nach jeder Eigenbehandlung Fortschritte zeigen. Somit ergibt sich eine wesentlich bessere Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Patient.
Anwendungsgebiete – Bei welchen Krankheitsbildern wird die Spiegeltherapie eingesetzt und was kann sie bewirken?
Ergotherapeuten und Rehabilitationskliniken setzen mittlerweile die Spiegeltherapie nicht nur in der
Therapie von Phantomschmerzen ein, sondern auch bei einer Vielzahl von
anderen Erkrankungen, die die Körperwahrnehmung und Empfindung beeinträchtigen.
- Apoplex -> Verbesserung der Halbseitenlähmung
- Morbus Sudeck (CRPS), Schmerzen nach Nerven- Nervenwurzelentzündungen Phantomschemerzen nach Amputation
-> Bei der
Therapie wird die
betroffene Extremität in einer schmerzfreien Position hinter dem Spiegel gelagert. Die
Bewegung wird mit der gesunden Extremität durchgeführt.
-> Dem Gehirn wird eine schmerzfreie
Bewegung vorgetäuscht, sodass eine Anregung der sonst vernachlässigten Hirnregion stattfinden kann - Parkinson
- Multiple Sklerose
Bei diesen Erkrankungen schrumpfen die Repräsentationsareale der Extremitäten im Gehirn, dabei geht bei den Betroffenen das Körperschema verloren. Durch die Spiegeltherapie werden die betroffenen Areale im Gehirn stimuliert und der Zusammenhang zwischen motorischer Intention, Empfindung und visuellem Eindruck wieder hergestellt.
Die Spiegeltherapie kann mit ihrem zentralen Ansatz die Wiederherstellung des gestörten Körperschemas, die Rückgewinnung von Sensibilität und die Minderung von Schmerzen unterstützen.
Physische Grundlagen der Person für die Therapie
- ausreichende kognitive Belastbarkeit für Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit
Vorstellungskraft – es ist wichtig, dass die Person sich vorstellt, ihren betroffenen
Arm bzw. ihr
Bein zu sehen
Kontraindikationen
- unzureichende kognitive Fähigkeit
- Ablehnung der
Therapie - fehlende Krankheitseinsicht
- Bilaterale Parese
Gesichtsfeldeinschränkung- starke neuropsychologische Störungen
Weitere Infos zum Thema:
http://spiegeltherapie.com/category/allgemein/
Video: Spiegeltherapie – Anwendumg bei Schlaganfällen, Amputationen, Allodynie und Lähmungen
Video: Morbus Sudeck: Mit einem Spiegel das Gehirn überlisten
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Spiegeltherapie ist…
- einfach anzuwenden
- selbstständig durchführbar
- kostengünstig
- motivierend
- effektiv