Das Perfetti-Konzept ist eine neurokognitive Therapie für Menschen mit Schäden im zentralen Nervensystem (z.B. nach einem Schlaganfall), entwickelt von Professor Carlo Perfetti, die durch gezielte, kognitiv-therapeutische Übungen das Gehirn reorganisiert, um Bewegungsabläufe zu verbessern. Der Kern liegt in der Verbindung von Wahrnehmung, Kognition und Bewegung, oft mit geschlossenen Augen, um die taktil-kinästhetische Wahrnehmung zu fördern und dem Patienten zu helfen, selbstständig neue, physiologische Bewegungsmuster zu lernen und zu kontrollieren.
Grundprinzipien
- Reorganisation des Nervensystems: Ziel ist, dass das Gehirn geschädigte Funktionen neu organisiert, um normale Handlungen zu ermöglichen.
- Kognitive Einbindung: Jede Bewegung wird mit bewussten Denkprozessen, Aufmerksamkeit und Problemlösung verknüpft, nicht nur mechanisch geübt.
- Wahrnehmung als Basis: Der Tastsinn und die Körperwahrnehmung werden genutzt, um Bewegung zu planen und zu steuern, oft durch das Schließen der Augen, um den visuellen Kanal zu reduzieren.
- Ganzheitlicher Ansatz: Bewegung, Wahrnehmung und Kognition werden nicht isoliert betrachtet.
Ablauf der Übungen (oft in Graden)
- Grad 1 (Geführt): Der Therapeut führt die Bewegung, der Patient hat die Augen geschlossen und nimmt die Bewegung mental wahr, um sie zu verinnerlichen.
- Grad 2 (Mitgeführt): Patient und Therapeut führen die Bewegung gemeinsam aus, der Patient übernimmt Teile selbstständig, um pathologische Muster zu kontrollieren.
- Grad 3 (Selbstständig): Der Patient führt die Bewegung vollständig selbstständig aus und lernt, sie physiologisch zu steuern.
Anwendungsbereiche
- Behandlung von Halbseitenlähmung (Hemiplegie) nach Schlaganfall.
- Einsatz bei neurologischen, orthopädischen und pädiatrischen Störungen, die das zentrale Nervensystem betreffen.
Ziel
Patienten sollen Strategien erlernen, um trotz neurologischer Schädigung wieder bestmögliche physiologische Bewegungen auszuführen und die Interaktion mit ihrer Umwelt zu verbessern.