Spiegeltherapie

Spiegeltherapie – Ein wirkungsvoller Ansatz in der Rehabilitation bei Lähmungen
Die Spiegeltherapie ist eine neurorehabilitative Behandlungsmethode, die insbesondere bei Patienten mit Lähmungen nach einem Schlaganfall, bei Schädel-Hirn-Traumata oder nach Rückenmarksverletzungen eingesetzt wird. Ursprünglich wurde sie zur Behandlung von Phantomschmerzen entwickelt, hat sich jedoch auch als wirkungsvoll zur Förderung motorischer Fähigkeiten und zur Verbesserung der Wahrnehmung gelähmter Körperteile erwiesen.
Bei der Spiegeltherapie wird ein Spiegel so positioniert, dass der Patient das Spiegelbild der gesunden Extremität sieht, während die betroffene, gelähmte Seite hinter dem Spiegel verborgen bleibt. Das Gehirn erhält dadurch die visuelle Information, dass sich auch die gelähmte Körperseite normal bewegt. Diese Illusion kann neuronale Netzwerke aktivieren, die für Bewegung und Körperwahrnehmung zuständig sind.
Nutzen der Spiegeltherapie für Patienten mit Lähmungen
Der therapeutische Nutzen der Spiegeltherapie beruht auf der Fähigkeit des Gehirns zur Neuroplastizität, also der Anpassungs- und Lernfähigkeit des Nervensystems. Durch wiederholtes Training können neue neuronale Verbindungen entstehen oder bestehende reaktiviert werden.
Wichtige Vorteile sind:
Förderung der motorischen Erholung: Patienten können Bewegungsimpulse für die gelähmte Seite wiedererlernen.
Verbesserung der Körperwahrnehmung: Das Gefühl für die betroffene Extremität wird gestärkt.
Motivationssteigerung: Sichtbare „Bewegungserfolge“ im Spiegel wirken positiv. 
Einfache und kostengünstige Anwendung: Die Therapie kann auch zu Hause durchgeführt werden.
Studien zeigen, dass Spiegeltherapie besonders effektiv ist, wenn sie regelmäßig in den Rehabilitationsprozess integriert wird.
Drei konkrete Spiegeltherapie-Übungen
1. Handöffnen und -schließen
Der Patient sitzt an einem Tisch, der Spiegel steht senkrecht in der Körpermitte. Die gesunde Hand liegt vor dem Spiegel, die gelähmte dahinter.
Die gesunde Hand wird langsam geöffnet und geschlossen.
Der Patient konzentriert sich intensiv auf das Spiegelbild und stellt sich vor, dass die gelähmte Hand diese Bewegung ausführt.
Dauer: 5–10 Minuten
2. Fingerbewegungen einzeln ausführen
Mit der gesunden Hand werden nacheinander einzelne Finger angehoben oder auf den Tisch getippt.
Der Patient beobachtet die Bewegungen im Spiegel und versucht gedanklich, diese auf die gelähmte Seite zu übertragen.
Variation: Finger „zählen“ oder einfache Rhythmen klopfen.
3. Greifbewegung mit einem Alltagsgegenstand
Ein kleiner Gegenstand (z. B. Ball oder Stift) wird mit der gesunden Hand aufgenommen, gedreht und wieder abgelegt.
Der Fokus liegt auf der Vorstellung, dass die gelähmte Hand denselben Gegenstand greift.
Diese Übung eignet sich besonders zur Vorbereitung funktioneller Alltagsbewegungen.
Die Spiegeltherapie ist eine wissenschaftlich anerkannte, leicht umsetzbare Methode zur Unterstützung von Patienten mit Lähmungen. Durch gezielte visuelle Reize kann das Gehirn angeregt werden, Bewegungen neu zu erlernen oder zurückzugewinnen. In Kombination mit anderen physiotherapeutischen Maßnahmen stellt sie einen wertvollen Baustein moderner Rehabilitation dar.
VITALIBERA TIPP
Wem der Umgang mit einem richtigen Spiegel zu umständlich oder gefährlich ist, der kann sich mit dicker Pappe oder einem dünnen Brett, beklebt mit Spiegelfolie einen leichten und unzerbrechlichen Spiegel bauen.