Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation

Die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF) nach Kabath ist ein physiotherapeutisches Behandlungskonzept, das von Dr. Herman Kabat und Margaret Knott in den 1940er Jahren entwickelt wurde, um Nerven- und Muskelreaktionen durch Stimulation von Tiefensensibilität (Propriozeptoren) zu erleichtern (fazilitieren) und das Bewegungspotenzial zu verbessern, indem dreidimensionale, diagonale Bewegungsmuster (Pattern) in Synergien genutzt werden, um die Motorik zu optimieren und funktionelle Bewegungen zu fördern. 

Grundprinzipien

  • Stimulation der Propriozeptoren: Durch Techniken wie Druck, Zug, Dehnung und Widerstand werden Rezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken gereizt, was zu verstärkter Muskelaktivität führt.
  • Ganzheitliche Bewegungsmuster (Pattern): Die Therapie nutzt natürliche, dreidimensionale Bewegungsmuster, die komplexen Alltagsbewegungen entsprechen, um die Koordination zu verbessern.
  • Ganzheitlicher Ansatz: PNF geht vom gesunden Körperabschnitt aus, um Schwächen in den betroffenen Bereichen zu verbessern. 

Ziele der Therapie

  • Verbesserung der Muskelkraft, Elastizität und Koordination.
  • Normalisierung von Muskeltonus (z. B. bei Spastik).
  • Förderung effizienter und ökonomischer Bewegungsabläufe.
  • Erhöhung der funktionellen Leistungsfähigkeit im Alltag. 

Anwendungsbereiche

Techniken

  • Muster (Pattern): Diagonale Bewegungsabläufe, die eine Kombination aus Beugen/Strecken, Abduktion/Adduktion und Innen-/Außenrotation beinhalten.
  • Widerstand: Der Therapeut gibt gezielt Widerstand, um die Muskeln zu aktivieren und die neuromuskuläre Ansteuerung zu fördern.
  • Kurze, wiederholte Reize (z. B. Initial-Stretch, Restretch): Um die neuronale Erregbarkeit zu steigern.
  • Kommandos: Klare verbale Aufforderungen unterstützen die Bewegungsausführung. 

PNF ist eine vielseitige Methode, die die natürlichen Reflexe und Muskelketten des Körpers nutzt, um das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln zu optimieren und die motorische Funktion wiederherzustellen oder zu verbessern,

PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation) bei Hemiplegie zielt darauf ab, durch gezielte Stimulation von Muskeln und Nerven das Zusammenspiel zu verbessern und Bewegung zu erleichtern, oft durch diagonale Bewegungsmuster, die Alltagsbewegungen nachahmen, sowie durch Techniken wie Widerstand, Dehnung und Druck. Übungen umfassen das Training von Rumpf und Beinen, wie Kniestreckung mit Fuß-Anheben (sitzend), Fersen-Senken (auf Treppenstufe) zur Waden-Dehnung und das Marschieren im Sitzen, um Kraft und Koordination wiederherzustellen, immer unter Anleitung eines Therapeuten zur Förderung der Neuroplastizität

Grundprinzipien der PNF bei Hemiplegie

  • Neuroplastizität fördern: Durch repetitive Übungen mit gezieltem Widerstand werden neue neuronale Bahnen im Gehirn geschaffen.
  • Diagonale Bewegungsmuster (PNF-Diagonalen): Komplexe Bewegungsmuster, die Alltagsbewegungen simulieren, z.B. Hand zur gegenüberliegenden Schulter, Knie zur Brust.
  • Widerstandstechnik: Der Therapeut gibt gezielten Widerstand, um die Muskeln zu aktivieren und das Nerv-Muskel-Zusammenspiel zu verbessern. 

Beispiele für PNF-Übungen bei Hemiplegie

  1. Sitzende Kniestreckung und Fuß-Anheben:
    • Setzen Sie sich auf einen Stuhl, legen Sie ein Handtuch unter das betroffene Knie, sodass der Fuß frei schwebt.
    • Strecken Sie das Knie maximal, während Sie Zehen und Fuß nach oben ziehen (Dorsalflexion).
    • Senken Sie Fuß und Knie langsam wieder ab.
  2. Dehnung der hinteren Oberschenkelmuskulatur:
    • Legen Sie sich auf den Rücken, der Partner hält das Bein gestreckt, während Sie es leicht anheben und anspannen.
    • Führen Sie eine sanfte Dehnung durch, indem Sie das Bein leicht gegen den Druck des Partners senken und wieder anheben, um die Flexibilität zu erhöhen.
  3. Waden-Dehnung an der Treppe:
    • Stehen Sie mit beiden Füßen auf einer Treppenstufe und halten Sie sich fest.
    • Setzen Sie das betroffene Bein nach hinten, sodass die Ferse überhängt.
    • Drücken Sie die Ferse nach unten, bis Sie eine Dehnung spüren, halten Sie 30 Sekunden, und wiederholen Sie dies mehrmals.
  4. Sitzendes Marschieren:
    • Heben Sie das betroffene Bein aus der sitzenden Position an die Brust, versuchen Sie die Bewegung kontrolliert zu halten.
    • Setzen Sie den Fuß wieder ab und wiederholen Sie die Bewegung abwechselnd mit dem anderen Bein. 

Wichtiger Hinweis

  • PNF-Therapie sollte immer unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten erlernt und durchgeführt werden, da die Techniken präzise Ausführung erfordern und individuell angepasst werden müssen. 

Beispiele für PNF-Übungen

  • Für die Nackenmuskulatur: Kopf nach vorne gegen Widerstand drücken, dann entspannen und weiter nach vorne neigen. Gleiches Prinzip für die Rückwärtsneigung.
  • Für die hintere Oberschenkelmuskulatur (PNF-Stretching):
    1. Bein in Rückenlage anheben und leicht strecken (Dehnung).
    2. Oberschenkelmuskel anspannen (drücken gegen den Widerstand des Partners/Gegenstands), kurz halten.
    3. Entspannen und das Bein mit Partnerhilfe weiter dehnen.
  • Für Rumpf- und Beinmuskulatur (Alltagsbewegung): Nachahmen des Aufstehens von einer Matte, Drehen in Seitenlage und Abstoßen über die Füße, um in Bauchlage zu gelangen, wobei der Therapeut mit gezieltem Widerstand unterstützt.