Affolter

Das Affolter-Prinzip – Lernen durch geführte Wahrnehmung. 
Das Affolter-Prinzip ist ein therapeutischer Ansatz zur Förderung von Wahrnehmung, Handlungskompetenz und Selbstständigkeit im Alltag. Entwickelt wurde es von der Schweizer Psychologin und Heilpädagogin Félicie Affolter. Im Mittelpunkt steht die Annahme, dass Menschen ihre Umwelt vor allem durch aktives Handeln und Spüren verstehen lernen – nicht allein durch verbale Erklärungen.
Besonders Menschen mit Wahrnehmungsstörungen, neurologischen Beeinträchtigungen oder Entwicklungsverzögerungen profitieren von diesem Ansatz.
Grundgedanke des Affolter-Prinzips
Das Affolter-Prinzip geht davon aus, dass zielgerichtetes Handeln nur möglich ist, wenn Reize aus der Umwelt sinnvoll wahrgenommen und verarbeitet werden können. Ist diese Wahrnehmungsverarbeitung eingeschränkt, fällt es Betroffenen schwer, alltägliche Abläufe zu planen, zu verstehen oder selbstständig auszuführen.
Anstatt Handlungen zu erklären oder vorzudemonstrieren, begleitet die Therapeutin oder der Therapeut die betroffene Person durch sogenannte geführte Interaktion. Dabei werden Hände, Arme oder der gesamte Körper sanft geführt, sodass Bewegungen und Handlungsschritte unmittelbar gespürt werden können.
Durch dieses gemeinsame Tun entsteht ein direktes Verständnis für Abläufe und Zusammenhänge.
Lernen über den Tastsinn
Ein zentraler Bestandteil des Affolter-Prinzips ist die taktil-kinästhetische Wahrnehmung – also das Lernen über Berührung, Bewegung und Widerstand.
Die geführte Handlung ermöglicht es der Person:
räumliche Beziehungen zu erfassen
Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu verstehen
Handlungsabläufe zu strukturieren
Sicherheit im Umgang mit Gegenständen zu entwickeln
Das Lernen erfolgt dabei nicht über Sprache, sondern über Erfahrung. Wiederholte Alltagssituationen helfen dem Gehirn, Wahrnehmung und Handlung besser miteinander zu verknüpfen.