Das Vojta-Prinzip bei Erwachsenen: Ein „Neustart“ für das Gehirn nach einem Hirnschaden
Nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einem Schädel-Hirn-Trauma ist oft nichts mehr, wie es war. Bewegungen, die früher vollautomatisch abliefen – wie das Aufstehen oder das Greifen nach einer Tasse – scheinen plötzlich gelöscht zu sein. Hier setzt das Vojta-Konzept an. Während viele Therapien auf das bewusste Neuerlernen von Bewegungen setzen, geht Vojta einen Schritt tiefer: direkt an die Wurzel der menschlichen Motorik.
Was genau ist das Vojta-Prinzip?
Das von Prof. Dr. Václav Vojta entwickelte Konzept basiert auf der sogenannten Reflexlokomotion. Die Grundidee: Jeder Mensch trägt von Geburt an bestimmte Bewegungsmuster (wie das Krabbeln oder Gehen) als genetisches „Programm“ in seinem Gehirn.
Durch einen Hirnschaden ist der Zugriff auf dieses Programm blockiert, aber das Programm selbst ist meist noch vorhanden. Durch gezielten Druck auf spezifische Zonen am Körper wird dieser Blockade entgegengewirkt.
Wie läuft die Behandlung bei Erwachsenen ab?
Anders als in der aktiven Physiotherapie muss der Patient bei Vojta keine Übungen im klassischen Sinne ausführen. Er nimmt eine definierte Ausgangslage (Rücken-, Seiten- oder Bauchlage) ein.
- Der Reiz: Der Therapeut übt einen sanften, aber gezielten Widerstand oder Druck auf bestimmte Druckpunkte (z. B. am Brustkorb, Becken oder Ellenbogen) aus.
- Die Reaktion: Dieser Reiz löst im Gehirn eine Kettenreaktion aus. Der Körper antwortet mit unwillkürlichen Muskelaktivierungen. Plötzlich spannt sich die Rumpfmuskulatur an, die Wirbelsäule richtet sich auf oder die Hand beginnt sich zu öffnen – Bewegungen, die der Patient bewusst oft gar nicht mehr steuern konnte.
Die Vorteile für Schlaganfall-Patienten & Co.
Warum ist Vojta bei neurologischen Schäden so effektiv?
- Ganzkörper-Aktivierung: Es wird nicht nur ein einzelner Muskel trainiert. Die Reflexe aktivieren die gesamte Muskulatur – von der Zehenspitze bis zum Kiefer.
- Aufrichtung der Wirbelsäule: Viele Patienten sinken nach einem Hirnschaden in sich zusammen. Vojta gibt dem Körper den Impuls, sich von innen heraus wieder aufzurichten.
- Verbesserte Vitalfunktionen: Durch die Aktivierung der Rumpfmuskulatur vertieft sich oft die Atmung, und Schluckbeschwerden können sich bessern.
- Gleichgewicht und Sicherheit: Die Therapie schult das Unterbewusstsein für eine bessere Balance, was die Sturzgefahr im Alltag massiv senken kann.