
Manchmal verändert eine Hirnverletzung das Leben so plötzlich, dass der Boden kurz wegbricht. Bewegungen fühlen sich anders an, Schritte werden unsicherer, und der eigene Körper braucht mehr Zeit, um wieder zu reagieren. Eine Hemiparese oder eine Fussheberschwäche können den
Alltag schwerer machen – aber sie sagen nichts darüber aus, wie stark du bist oder wie viel du noch erreichen kannst.
Hier bekommst du einen Ort, an dem du nicht funktionieren musst. Einen Raum, in dem du verstehen darfst, was in deinem Körper passiert, warum bestimmte Bewegungen schwerfallen und welche Wege es gibt, wieder Stabilität, Sicherheit und Vertrauen aufzubauen. Ohne Druck. Ohne Erwartungen. Nur mit dem Ziel, dass du spürst: Du bist nicht allein. Und du darfst deinen eigenen Rhythmus haben.
Jeder kleine Fortschritt zählt. Jede Anpassung ist ein Schritt nach vorn. Und du darfst dir die Zeit nehmen, die du brauchst.
Diese Schritt‑für‑Schritt‑Übung hilft dir, die
betroffene Seite bewusster wahrzunehmen, Bewegungen zu ordnen und wieder mehr Kontrolle aufzubauen. Ohne Druck, ohne Eile. Nur ein klarer Ablauf, den du in deinem eigenen Tempo durchgehen kannst.
1. Vorbereitung
- Position: Aufrecht auf einem Stuhl sitzen, beide Füsse am Boden, Hüfte ca. 90°.
- Sicherheit: Stuhl mit Lehne, nichts Rollendes, jemand in der Nähe, wenn du unsicher bist.
- Zielseite: Wir arbeiten mit der betroffenen Seite (Fuss mit Fussheberschwäche).
2. Wahrnehmen statt gleich „leisten“
- Beide Füsse spüren
- Spüren
- Lege beide Füsse flach auf den Boden.
- Spüre: Ferse, Ballen, Zehen.
- Vergleiche kurz: Wie fühlt sich die betroffene Seite im Vergleich zur gesunden an?
- Gewicht leicht verlagern
- Gewichtsgefühl
- Verlagere dein Gewicht minimal nach links/rechts.
- Spüre: Wann wird der Druck unter der betroffenen Ferse etwas mehr, wann weniger?
3. Aktive Fusshebung im Sitzen
- Ferse bleibt, Vorderfuss hebt
- Basisbewegung
- Lass die Ferse am Boden.
- Hebe langsam den Vorderfuss (Zehen Richtung Nase).
- Nur so weit, wie es kontrolliert geht – kein Ruckeln, kein Zerren.
- Langsam senken
- Kontrolle
- Senke den Fuss wieder langsam ab, nicht fallen lassen.
- Versuche, die Bewegung bewusst zu steuern.
- Wiederholungen
- Dosierung
- 5–10 Wiederholungen, 2–3 Durchgänge, mit Pausen.
- Wenn die Qualität stark nachlässt → lieber stoppen als „durchziehen“.
4. Mit der gesunden Seite koppeln
- Beide Füsse gleichzeitig
- Symmetrie
- Hebe beide Vorderfüsse gleichzeitig an (Fersen bleiben am Boden).
- Beobachte: Die gesunde Seite „zieht“ oft mit – versuche, die betroffene Seite bewusst mitzunehmen.
- Nur betroffene Seite betonen
- Fokus
- Hebe beide an, aber konzentriere dich innerlich nur auf die betroffene Seite.
- Stell dir vor, du schickst dorthin extra Aufmerksamkeit.
5. Übertrag ins Stehen (nur wenn sicher!)
- Stand an fester Stütze
- Sicherheit
- Stell dich an ein Geländer, Tisch oder Waschbecken, an dem du dich gut festhalten kannst.
- Füsse hüftbreit, Gewicht gleichmässig verteilt.
- Fusshebung im Stand
- Funktion
- Wieder die gleiche Bewegung: Ferse bleibt, Vorderfuss hebt (betroffene Seite).
- Nur so weit, wie du dich sicher fühlst.
- 5–8 Wiederholungen, 1–2 Durchgänge.
6. Wichtige Hinweise
- Keine Schmerzen: Wenn Schmerzen, starke Spastik oder Krämpfe auftreten → abbrechen, Pause, ggf. Fachperson fragen.
- Qualität vor Menge: Lieber wenige saubere Wiederholungen als viele „irgendwie“.
- Regelmässigkeit: 1–2× täglich kurz ist besser als 1× pro Woche lang.

Wenn der Fuss nicht hebt: Verkleinere die Aufgabe. Statt „den Fuss heben“, konzentriere dich nur auf Ferse spüren → Zehen leicht anziehen → langsam absetzen. Drei kleine Schritte, die dein Gehirn besser sortieren kann als eine grosse Bewegung.
Warum dieser Tipp wirkt
- Du kannst es überall machen: Sitzen, Stehen, beim Zähneputzen, an der Bushaltestelle.
- Die Bewegung wird überschaubar, nicht überfordernd.
- Das Gehirn bekommt klare, getrennte Signale statt eines unscharfen „mach mal“.
- Die Fusshebermuskeln werden gezielt aktiviert, ohne Spastik zu provozieren.