Nervenmobilisation (auch funktionelle Neurodynamik genannt) ist eine Physiotherapie-Technik, die Nerven wieder beweglicher macht, indem sie Verklebungen löst und die Gleitfähigkeit verbessert, was Schmerzen, Taubheit oder Kribbeln bei eingeklemmten oder gereizten Nerven reduziert. Durch spezielle, langsame Bewegungen wird der Nerv kontrolliert gedehnt, um seine Elastizität und Durchblutung zu fördern und dem Gehirn zu signalisieren, dass keine Gefahr besteht, was Bewegungsumfang erhöht und Muskelspannung senkt.
Was ist das Ziel?
- Verbesserung der Gleitfähigkeit: Nerven müssen sich frei bewegen können, wenn wir uns bewegen.
- Linderung von Beschwerden: Reduziert Schmerzen, Taubheitsgefühle und Kribbeln, die durch eingeschränkte Nervenfunktion entstehen.
- Tonusregulation: Verringert übermäßige Muskelspannung im Nervenbereich.
Wie funktioniert es?
- Spezifische Übungen: Es werden sanfte, rhythmische Bewegungen eingesetzt, um den Nerv durch verschiedene Gelenke zu “gleiten” oder zu “dehnen”.
- „Slider“ und „Tensioner“: Es gibt Übungen, die den Nerv dehnen (Tensioner) oder ihn durch das umliegende Gewebe gleiten lassen (Slider), um Verklebungen zu lösen.
- Achtsame Ausführung: Die Übungen müssen langsam und kontrolliert ausgeführt werden, immer darauf achtend, keine starken Schmerzen auszulösen, um den Nerv nicht zu überreizen.
Anwendungsbereiche
- Halswirbelsäule und Arme: Bei einschlafenden Fingern oder Schulterproblemen (z.B. Nervus ulnaris, Nervus medianus).
- Beine: Bei Problemen mit dem Ischiasnerv.
- Allgemein: Bei Beschwerden, die auf eine eingeschränkte Nervenbeweglichkeit hindeuten.
Wichtiger Hinweis
Es ist entscheidend, die Übungen nicht wahllos auszuführen, sondern vorab einen Arzt oder Physiotherapeuten zu konsultieren, um die Ursache der Beschwerden abzuklären und eine korrekte Anwendung zu lernen.
1. Mobilisation des Ischiasnervs (Nervus ischiadicus)
- Im Sitzen (Slump-Übung): Aufrecht auf einen Hocker setzen. Das
betroffene Bein nach vorne ausstrecken, Zehen sanft anziehen, Rücken aufrecht, Kopf leicht heben. Dann den Fuß entspannen und gleichzeitig den Kopf nach vorne sinken lassen. Abwechselnd wiederholen. - In Rückenlage: Auf den Rücken legen, ein Bein mit den Händen hinter dem Oberschenkel halten. Das Knie langsam strecken, bis ein leichtes Ziehen spürbar ist. Dann den Fuß beugen (anziehen) und gleichzeitig das Kinn auf die Brust legen.
2. Mobilisation der Armnerven (Medianusnerv/Eingeschlafene Finger)
- Arme: Den Arm seitlich ausstrecken, Handgelenk beugen (Finger Richtung Boden), Daumen nach hinten ziehen.
- Kopf-Wechselspiel: Den Kopf sanft zur Seite des ausgestreckten Arms neigen, während das Handgelenk gestreckt wird. Bei Rücknahme der Hand (Handgelenk beugen) den Kopf zur Gegenseite neigen.
3. Mobilisation des Radialisnervs
- Stehend, Schultern tief, Arm leicht abgespreizt, Handgelenk beugen und Finger nach unten zeigen lassen.
- Kopf langsam zur Gegenseite neigen, um den Zug zu erhöhen, dann zur selben Seite für Entlastung.
- Alternativ: Arm strecken und drehen, Handgelenk beugen.
4. Mobilisation der Lendenwirbelsäule
- Mini-Kobra: In Bauchlage die Hände neben den Brustkorb platzieren. Den Oberkörper sanft hochdrücken, das Becken bleibt auf dem Boden.
Nervengleitübungen sind ideal zur Verbesserung der Beweglichkeit und bei Symptomen wie eingeschlafenen Fingern oder Ischiasbeschwerden.