Schlucktherapie nach neurologischen Erkrankungen

Die Schlucktherapie (Dysphagietherapie) nach neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder MS zielt darauf ab, die Schluckfunktion durch logopädische Übungen zu verbessern, das Verschlucken zu verhindern und eine sichere, selbstständige Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Sie beinhaltet Kräftigungsübungen, spezielle Schlucktechniken, Haltungskorrekturen und Konsistenzanpassungen der Nahrung. 

Wichtige Elemente der Schlucktherapie:

  • Logopädische Übungen: Gezieltes Training zur Kräftigung der Schluckmuskulatur (Lippen, Zunge, Rachen) sowie Förderung der Sensibilität.
  • Kompensatorische Strategien: Anwendung von Schlucktechniken, z.B. das Kinn beim Schlucken leicht nach vorne beugen, um den Atemweg zu schützen.
  • Haltungsänderung & Umgebung: Aufrechte Haltung beim Essen, ruhige Umgebung ohne Ablenkung.
  • Kostanpassung: Anpassung von Nahrungskonsistenzen (z.B. angedickte Flüssigkeiten, passierte Kost) zur Vermeidung von Aspiration.
  • Funktionelle Therapie: Einsatz von Kältereizen oder Vibrationsstimulation zur Anregung des Schluckreflexes.
  • Pharyngeale Elektrostimulation (PES): Bei schweren Fällen kann eine Elektrostimulation zur Stimulation der Schluckmuskulatur eingesetzt werden.

Therapieansätze:

  • Indirekte Therapie: Übungen ohne Nahrung, um Muskeln zu kräftigen und Abläufe zu automatisieren.
  • Direkte Therapie: Schluckübungen mit Nahrungsmitteln, angepasst an die individuellen Fähigkeiten.

Die Therapie sollte möglichst frühzeitig beginnen (meist durch Logopäden), um Komplikationen wie Lungenentzündungen (Aspirationspneumonie) zu vermeiden

Wichtige Selbsttherapie-Tipps und Techniken:

  • Haltung beim Essen: Immer aufrecht sitzen (90 Grad), den Kopf leicht nach vorne zur Brust beugen, um die Atemwege zu schützen.
  • Tempo und Konzentration: Essen Sie langsam und konzentrieren Sie sich nur auf das Schlucken. Vermeiden Sie Gespräche beim Essen.
  • Mundpflege: Nach dem Essen den Mund entleeren und prüfen, ob Nahrungsreste zurückgeblieben sind.
  • Konsistenzanpassung: Bei Bedarf Nahrung pürieren oder Getränke mit Verdickungsmitteln andicken, um Verschlucken zu vermeiden.
  • Übungen für zu Hause (nach logopädischer Anleitung):
    • Zungenpresse: Zunge fest gegen den Gaumen drücken.
    • Lippenschluss: Lippen fest aufeinanderpressen.
    • Räusper- und Hustenübungen: Kräftiges Husten trainieren, um im Ernstfall Reste aus dem Rachen zu entfernen.
  • Sichere Schluckmanöver: Der sogenannte “nachdrückliche Schluck” (bewusstes, kräftiges Schlucken) oder das Schlucken mit leicht vorgeneigtem Kopf. 

Wichtige Warnhinweise:

  • Symptome wie Husten, Räuspern oder Atemnot beim Essen dürfen nicht bagatellisiert werden; eine ärztliche/logopädische Abklärung ist unerlässlich.
  • Bei Verschlucken: Ruhig bleiben, kräftig husten, den Kopf nach vorne beugen. Nie die Arme hochheben.
  • Die Übungen sollten idealerweise von einer Logopädin/einem Logopäden angeleitet werden, um falsche Techniken zu vermeiden.

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