Zeckenrisiko bei neurologischen Erkrankungen

Zecken können mehrere ernsthafte neurologische Erkrankungen auslösen – am häufigsten die Neuroborreliose und die FSME (Frühsommer‑Meningoenzephalitis). Beide treten auch in der Schweiz auf und sollten früh erkannt und behandelt werden.

Welche neurologischen Erkrankungen können Zecken auslösen?
Neuroborreliose (Lyme-Borreliose mit Beteiligung des Nervensystems)
  • Wird durch Borrelia burgdorferi übertragen.
  • In Deutschland sind ca. 35 % der Zecken mit Borrelien infiziert, in Europa 10–30 % je nach Region.
  • Nur ein kleiner Teil der Infizierten entwickelt tatsächlich eine Neuroborreliose (ca. 3 %).

Typische neurologische Symptome:

  • Entzündung der Hirnhäute und Nervenwurzeln
  • Starke, brennende Nervenschmerzen (v. a. nachts)
  • Gesichtslähmung (Fazialisparese)
  • Sensibilitätsstörungen, Taubheit, Kribbeln
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • In schweren Fällen: Herzrhythmusstörungen, Augenbeteiligung

Zeitlicher Verlauf: Symptome treten meist Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich auf.

FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis
  • Wird durch ein Virus übertragen.
  • In der Schweiz ist FSME meldepflichtig und die Fallzahlen steigen seit Jahren.
  • Besonders relevant, da fast alle Kantone (außer Tessin) als Risikogebiet gelten.

Neurologische Symptome:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis)
  • Lähmungen, Koordinationsstörungen
  • Langfristige neurologische Defizite möglich

Wichtig: Gegen FSME gibt es eine Impfung, die in der Schweiz breit empfohlen wird.

Wie unterscheiden sich Neuroborreliose und FSME?
MerkmalNeuroborrelioseFSME
ErregerBakterien (Borrelien)Virus
BehandlungAntibiotikaKeine spezifische Therapie
Impfung möglich?NeinJa
Häufigkeit in CHHäufig (nicht meldepflichtig)Weniger häufig, aber steigend
Neurologische FolgenNervenwurzelentzündung, GesichtslähmungMeningitis/Enzephalitis, Lähmungen
Prävention (besonders wichtig in der Schweiz)
  • Lange Kleidung, geschlossene Schuhe
  • Zeckenschutzmittel
  • Nach jedem Aufenthalt im Freien Körper & Kleidung absuchen
  • Zecken sofort entfernen und Stichstelle desinfizieren
  • FSME‑Impfung prüfen (für fast alle Kantone empfohlen)
Zeckenprävention
1. Körperliche Schutzmaßnahmen
  • Lange Kleidung, geschlossene Schuhe, Socken über die Hosen.
  • Helle Kleidung, um Zecken schneller zu erkennen.
  • Auf Wegen bleiben, hohes Gras und Unterholz meiden.
  • Zeckenschutzmittel (Repellents) auf Haut und Kleidung anwenden.
2. Nach dem Aufenthalt im Freien
  • Gründlicher Ganzkörper‑Check: Kniekehlen, Leisten, Achseln, Nacken, Haaransatz.
  • Zecken sofort entfernen (Pinzette oder Zeckenkarte).
  • Stichstelle desinfizieren und in den nächsten Tagen beobachten.
3. FSME‑Impfung (auch in Deutschland stark empfohlen)
  • Die FSME‑Impfung ist der wirksamste Schutz gegen die Virusinfektion.
  • Auch kurz vor dem Urlaub ist eine Immunisierung noch sinnvoll.
4. Haustiere schützen
  • Hunde und Katzen regelmäßig auf Zecken prüfen.
  • Tierärztlich empfohlene Spot‑Ons, Halsbänder oder Tabletten nutzen.

Praktische Schutz‑Tipps (kurz & wirksam)

  • Zecke sofort entfernen + Datum notieren
  • Lange Kleidung, Socken über die Hosen
  • Anti‑Zeckenspray auf Kleidung und Haut
  • Auf breiten Wegen bleiben, Unterholz meiden
  • Nach jedem Aufenthalt draussen: Körper & Kleidung absuchen
Wo Zecken besonders häufig sind
  • Laub‑ und Mischwälder
  • Waldränder, Lichtungen
  • Flussnähe
  • Parkanlagen bis ca. 1’500 m ü. M.
  • Gärten und Heckenbereiche

Kann ein Zeckenstich zu Schlaganfall führen?

Ja, ein Zeckenstich kann in seltenen Fällen zu einem Schlaganfall führen – allerdings nur über den Umweg einer unbehandelten Borreliose, die eine Entzündung der Hirngefäße (zerebrale Vaskulitis) auslöst. Das ist extrem selten, aber medizinisch gut dokumentiert.

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