
Der Geruchs- und Geschmackssinn beeinflusst weit mehr als nur den Genuss von Speisen. Er trägt zu unserer Sicherheit, unseren Emotionen und unserem allgemeinen Wohlbefinden bei.
Nach einer Hirnverletzung, einem
Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) können diese Sinne jedoch teilweise oder vollständig beeinträchtigt sein.
Betroffene berichten häufig, dass vertraute Gerüche verschwinden, Speisen ihren Geschmack verlieren oder Gerüche plötzlich verfälscht wahrgenommen werden.
Diese oft unsichtbare Folge einer Hirnschädigung wird von Außenstehenden nicht selten unterschätzt. Für die Betroffenen kann sie jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität, die Ernährung und den
Alltag haben.
Das Verständnis dieser neurologischen Veränderungen ist ein wichtiger Schritt, um die Symptome einzuordnen und geeignete Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Ein gestörter Geruchs- und Geschmackssinn (Anosmie, Hyposmie, Dysgeusie) ist eine häufige Folge von Hirnverletzungen, insbesondere nach:
- Schädel-Hirn-Trauma (SHT)
- Hirnblutung
Schlaganfall- Sauerstoffmangel des Gehirns
Warum passiert das?
Der Geruchssinn kann auf mehreren Ebenen geschädigt werden:
- Abriss der Riechfasern
- Besonders bei Stürzen oder Verkehrsunfällen.
- Die feinen Nervenfasern zwischen Nase und Gehirn können durch die Beschleunigungskräfte reißen.
- Schädigung des Riechzentrums im Gehirn
- Frontallappen
- Temporallappen
- Orbitofrontaler Cortex
Schlaganfall in entsprechenden Hirnregionen
- Kann Geruchs- und Geschmacksverarbeitung beeinträchtigen.
Auswirkungen im Alltag
Viele
Betroffene berichten über:
- Essen schmeckt „nach nichts“
- Verminderter Appetit
- Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme
- Probleme beim
Erkennen verdorbener Lebensmittel - Rauch oder Gas werden nicht wahrgenommen
- Verlust von Lebensqualität
- Depressionen und sozialer Rückzug
Geruch und Geschmack sind eng verbunden
Oft glauben
Betroffene, der Geschmackssinn sei verloren. Tatsächlich ist häufig vor allem der Geruchssinn
betroffen, da rund 80 % des Geschmackserlebnisses über die Nase vermittelt werden.
Typisches Beispiel:
- Süß, sauer, salzig und bitter werden noch erkannt.
- Kaffee, Schokolade oder Erdbeeren haben aber kaum noch Aroma.
Kann sich das wieder bessern?
Ja, teilweise sogar noch Jahre später.
Die Prognose hängt ab von:
- Ausmaß der Hirnschädigung
- Alter
- Lokalisation der Verletzung
- Zeit seit dem Ereignis
Verbesserungen treten häufig in den ersten 6 bis 24 Monaten auf, sind aber auch später noch möglich.
Riechtraining
Neurologen empfehlen häufig ein strukturiertes Riechtraining:
2-mal täglich je etwa 20 Sekunden riechen an:
- Rose (blumig)
- Zitrone (fruchtig)
- Eukalyptus (harzig)
- Nelke (würzig)
Dabei bewusst versuchen, sich den jeweiligen Geruch vorzustellen.
Studien zeigen, dass regelmäßiges
Training die Regeneration fördern kann.
Neurologische Besonderheiten nach Hirnverletzungen
Manche
Betroffene entwickeln statt eines Geruchsverlustes:
- Parosmie: Gerüche werden verfälscht wahrgenommen.
- Phantosmie: Gerüche werden wahrgenommen, obwohl keine vorhanden sind.
- Geschmackshalluzinationen.
- Plötzliches Ekelempfinden bei bisher angenehmen Speisen.
Gerade nach Hirnblutung,
Schlaganfall oder SHT sind solche Veränderungen neurologisch erklärbar und keine Einbildung.
Wann neurologisch abklären?
Wenn zusätzlich auftreten:
- neue neurologische Ausfälle
- Kopfschmerzen
- Krampfanfälle
- starke Persönlichkeitsveränderungen
- rasche Verschlechterung
sollte eine neurologische Untersuchung erfolgen.
Für
Betroffene mit Hirnverletzung ist der Verlust von Geruch und Geschmack weit mehr als ein Sinnesproblem. Er beeinflusst Ernährung, Sicherheit, Emotionen und Lebensqualität und wird im
Alltag leider oft unterschätzt.

Gib nicht zu früh auf. Auch wenn Geruchs- und Geschmacksstörungen nach einer Hirnverletzung, einem
Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einem Schädel-Hirn-Trauma oft sehr belastend sind, können sich die Symptome mit der Zeit verbessern.
Ein regelmäßiges Riechtraining mit bekannten Düften wie Zitrone, Rose, Eukalyptus oder Nelke kann die Regeneration unterstützen.
Viele
Betroffene erzielen durch Geduld und konsequentes
Training selbst Monate oder Jahre nach der Hirnschädigung noch Fortschritte.