
Die Rückkehr nach Hause markiert für viele
Betroffene einen wichtigen Schritt auf dem Weg zurück in den
Alltag.
Nach der Rehabilitation beginnt jedoch oft eine neue Herausforderung – nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für die Angehörigen. Die Kunst besteht darin, Unterstützung zu geben, ohne die Selbstständigkeit einzuschränken, und Sicherheit zu schaffen, ohne die Selbstbestimmung zu untergraben.
Mit Geduld, Respekt und einer wertschätzenden Haltung kannst du dazu beitragen, dass sich der Betroffene in seinem gewohnten Umfeld sicher, ernst genommen und als selbstbestimmter Mensch wahrgenommen fühlt.
Dabei gilt ein einfacher, aber wichtiger Grundsatz: So viel Unterstützung wie nötig – so viel Selbstständigkeit wie möglich.
Wenn du einen Menschen nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Hirnblutung zuhause begleitest, kannst du seine Würde und Selbstbestimmung besonders gut schützen, indem du nicht alles für ihn übernimmst, sondern ihn befähigst, möglichst viel selbst zu tun.
Im Alltag
- Frage: „Möchtest du Hilfe oder möchtest du es zuerst selbst versuchen?“
- Gib Wahlmöglichkeiten: „Willst du jetzt spazieren gehen oder nach dem Essen?“
- Lass ausreichend Zeit für Antworten und Handlungen.
- Sprich mit ihm als erwachsenem Menschen und nicht über seinen Kopf hinweg.
- Beziehe ihn in Entscheidungen ein, die sein eigenes Leben betreffen.
Bei körperlicher Unterstützung
- Erkläre vorher, was du tun möchtest.
- Bitte um Zustimmung, wenn Hilfe bei Körperpflege oder Anziehen nötig ist.
- Lass ihn die Teile selbst erledigen, die er kann, auch wenn es länger dauert.
- Achte auf Privatsphäre und Respekt.
Bei kognitiven oder sprachlichen Schwierigkeiten
- Sprich klar und in kurzen Sätzen.
- Stelle eine Frage nach der anderen.
- Gib genügend Zeit zum Nachdenken und Antworten.
- Korrigiere nicht ständig und vervollständige Sätze nur, wenn er das möchte.
Emotional
Viele Betroffene leiden darunter, dass andere nur noch ihre Einschränkungen sehen. Deshalb:
- Nimm seine Gefühle ernst.
- Lobe Anstrengungen, nicht nur Erfolge.
- Erinnere ihn daran, was er weiterhin kann.
- Fördere Kontakte, Hobbys und soziale Teilhabe.
Auch wichtig für dich
Du musst nicht alles alleine tragen. Gute Unterstützung gelingt nur, wenn du auch auf deine eigene Gesundheit, Erholung und Entlastung achtest.
Frage dich immer: „Unterstütze ich gerade seine Selbstständigkeit oder nehme ich sie ihm ungewollt ab?“
Diese Haltung hilft oft mehr als jede Pflegetechnik.

Als Angehöriger musst du das Rad nicht neu erfinden. Es gibt viele Stellen, die dir praktische und fachliche Hilfe bieten können:
Pflegefachpersonen und Spitex/Pflegedienste
Die Spitex oder ambulante Pflege kann dir zeigen, wie du im Alltag sicher unterstützt, beispielsweise bei:
- Mobilisation und Transfers
- Körperpflege
- Lagerung
- Sturzprävention
- Umgang mit Hilfsmitteln
Hausarzt und behandelnde Fachärzte
Sie können Fragen zu gesundheitlichen Veränderungen, Medikamenten, Fatigue oder Verhaltensauffälligkeiten beantworten und bei Bedarf weitere Unterstützung organisieren.
Therapieeinrichtungen
Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden vermitteln oft wertvolle Alltagstipps für zuhause:
- selbstständiges Anziehen und Essen
- Gedächtnisstrategien
- Kommunikationshilfen
- Bewegungs- und Gleichgewichtsübungen
Angehörigen- und Selbsthilfegruppen
Der Austausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen bietet praktische Erfahrungen, emotionale Unterstützung und hilfreiche Alltagstipps.
Gehirnverletzten-Organisationen
In der Schweiz bieten verschiedene Fachorganisationen Informationen, Kurse und Beratungen für Angehörige an, beispielsweise: https://www.fragile.ch
Pflegekurse für Angehörige
Viele Spitäler, Rehabilitationskliniken, Spitex-Organisationen und das Schweizerische Rote Kreuz bieten Kurse an, in denen du praktische Pflegetechniken und den Umgang mit den Folgen einer Hirnverletzung erlernen kannst.
Der wichtigste Tipp: Scheue dich nicht, Fragen zu stellen. Gute Angehörigenpflege bedeutet nicht, alles zu wissen, sondern zu wissen, wo du Unterstützung bekommst.
Extra Tipp : Nutze die Zeit in der Akut- und Rehabilitationsphase, um möglichst viele Fragen zu stellen. Das Pflegepersonal, die Therapeutinnen und Therapeuten sowie die Ärztinnen und Ärzte kennen die individuellen Herausforderungen des Betroffenen und können dir wertvolle praktische Tipps für zuhause geben.
Scheue dich nicht, das Pflegepersonal direkt anzusprechen und dir wichtige Handgriffe zeigen zu lassen,
Die Rehabilitationszeit ist nicht nur für den Betroffenen eine Lernphase, sondern auch für dich als Angehöriger. Je besser du vorbereitet bist, desto leichter gelingt der Übergang in das häusliche Umfeld.