Lagerung nach Bobath – Orientierung für Angehörige im Alltag bei Hemiparese

Nach einer Hirnverletzung mit Hemiparese wird Lagerung zu einem zentralen Bestandteil des Alltags. Sie schützt vor Schmerzen, Fehlstellungen und Druckstellen – und sie hilft dem Gehirn, die betroffene Seite wieder besser wahrzunehmen.

Das Bobath‑Konzept setzt dabei nicht auf starre Positionen, sondern auf funktionelle, wahrnehmungsfördernde Lagerungen, die den Körper vorbereiten, beruhigen und aktivieren.

Für Angehörige bedeutet das: Ruhige Hände, klare Positionen und die betroffene Seite immer einbeziehen, statt sie „wegzulegen“. So entsteht ein Alltag, der Sicherheit gibt und gleichzeitig die Rehabilitation unterstützt.

1. Grundprinzipien der Bobath‑Lagerung
  • Wahrnehmung fördern — die betroffene Seite wird nicht „weggelegt“, sondern einbezogen.
  • Symmetrie unterstützen — der Körper soll möglichst ausgeglichen liegen oder sitzen.
  • Tonus regulieren — ruhige, klare Positionen reduzieren Spastik.
  • Bewegung vorbereiten — Lagerung ist immer auch Vorbereitung für den nächsten Transfer.
2. Seitlage auf der betroffenen Seite (Hemiparese)
  • Betroffene Schulter vorlagern, nicht unter dem Körper einklemmen.
  • Betroffener Arm lang und offen positionieren, Hand sichtbar.
  • Betroffenes Bein leicht angewinkelt, mit Kissen stabilisiert.
  • Diese Lage fördert Wahrnehmung und reduziert Schmerzen.
3. Seitlage auf der nicht betroffenen Seite
  • Betroffener Arm wird vor den Körper geführt, auf ein Kissen gelegt.
  • Betroffenes Bein wird auf ein großes Kissen gelegt, um Hüfte und Knie zu entlasten.
  • Diese Lage schützt die betroffene Schulter und verhindert Überdehnung.
4. Rückenlage – nur kurz, aber manchmal nötig
  • Kopf neutral, nicht zur gesunden Seite gedreht.
  • Betroffener Arm offen und sichtbar, nicht am Körper fixiert.
  • Beine symmetrisch, ggf. kleine Rolle unter den Knien.
  • Rückenlage ist oft tonuserhöhend – daher nur begrenzt nutzen.
5. Sitzposition – Alltagssituation Nr. 1
  • Füße stabil auf dem Boden.
  • Becken leicht nach vorn gekippt (aktiviert Rumpfkontrolle).
  • Betroffene Hand sichtbar auf dem Tisch oder Kissen.
  • Keine „hängende“ Schulter – sanft unterstützen.
Was Angehörige im Alltag besonders beachten sollten
  • Schulter schützen — nie am Arm ziehen, immer am Rumpf führen.
  • Druckstellen vermeiden — Haut täglich kontrollieren.
  • Spastik erkennen — harte Muskeln = Position ändern.
  • Regelmäßig umlagern — alle 2–3 Stunden.
  • Ruhig arbeiten — das Nervensystem reagiert besser auf Ruhe als auf Kraft.

Das Bobath‑Konzept hilft Angehörigen, die betroffene Seite nicht zu meiden, sondern aktiv einzubeziehen, damit das Gehirn sie wieder besser wahrnehmen kann.

Der wichtigste Tipp: Lagere nie „irgendwie“ – sondern immer bewusst, ruhig und mit klarer Positionierung der betroffenen Seite.

Mini‑Tipp

Betroffene Schulter immer schützen und vorlagern. Eine falsch liegende Schulter ist die häufigste Ursache für Schmerzen und Fehlstellungen.

Was Angehörigen im Alltag am meisten hilft
  • Seitlage auf der betroffenen Seite fördert Wahrnehmung und reduziert Tonus.
  • Seitlage auf der gesunden Seite schützt die Schulter und stabilisiert Arm und Bein.
  • Ruhige Rückenlage nur kurz, aber mit offener Armposition.
  • Sitzposition nach Bobath aktiviert Rumpf und verhindert „Hängen“.
Warum dieser Tipp so wichtig ist
  • Angehörige gewinnen Sicherheit und Routine – ohne Kraftaufwand.
  • Die Lagerung beeinflusst Spastik, Schmerzen und Schlafqualität.
  • Sie hilft dem Gehirn, die betroffene Seite wieder „ins Körperbild“ aufzunehmen.