
Nach einer Hirnverletzung kann das Nervensystem überreagieren: Spastik, Fatigue und Reizüberflutung entstehen oft aus innerer Anspannung. Atemübungen sind dabei ein sanftes
Werkzeug, um den Körper wieder in Balance zu bringen.
Durch bewusste, rhythmische Atmung wird das vegetative Nervensystem beruhigt, die Muskelspannung sinkt, und der Geist findet Orientierung.
Diese Übungen brauchen keine Vorbereitung – sie passen in jede Alltagssituation: beim Sitzen, Warten,
Kochen oder Ruhen.
Ein Atemzug kann zu einem Anker werden – für Sicherheit, Klarheit und Selbstwirksamkeit.
1. Atem 4‑2‑6 – Rhythmus für Ruhe
- 4 Sekunden einatmen, 2 Sekunden halten, 6 Sekunden ausatmen
- Wiederhole 5–6 Mal, am besten im Sitzen.
- Wirkung: Aktiviert den Parasympathikus, senkt Puls und Muskeltonus.
2. Hand‑auf‑Brust‑Übung – Körperkontakt zur Selbstberuhigung
- Eine
Hand auf die Brust legen, Wärme spüren. - 5 ruhige Atemzüge nehmen, dabei innerlich sagen: „Ich bin sicher.“
- Wirkung: Beruhigt das limbische System, reduziert Spastik durch emotionale Entspannung.
3. Mini‑Bodyscan‑Atmung – Wahrnehmung statt Kontrolle
- Beim Einatmen kurz spüren: Füße → Beine → Bauch → Schultern → Gesicht.
- Beim Ausatmen alles „loslassen“.
- Wirkung: Fördert sensorische Integration, hilft gegen Reizüberflutung.
4. Atemanker im Alltag – kleine Pausen zwischendurch
- Vor jeder Handlung (Tür öffnen,
Glas
greifen,
Handy nehmen): ein bewusster Atemzug. - Wirkung: Unterbricht automatische Spannung, schafft kurze Ruheinseln.
5. Abend‑Atemroutine – Entspannung vor dem Schlaf
- Im Liegen: 10 tiefe Atemzüge, dabei Schultern sinken lassen.
- Optional: leise Musik oder Naturgeräusche.
- Wirkung: Reduziert Fatigue‑Folgesymptome, verbessert Schlafqualität.
Diese Übungen ersetzen keine medizinische Behandlung. Sie sind als ergänzende Selbstregulation gedacht – bitte stimme sie mit deiner Therapeutin oder deinem Arzt ab, wenn du starke Spastik oder Atemprobleme hast.

Welche Übung bei welchem Symptom?
Spastik – Muskelspannung senken
- Langer Ausatem 6–8 Sekunden Verlängert den Parasympathikus‑Impuls → Muskeltonus sinkt.
- Hand‑auf‑Brust‑Atmung Körperkontakt beruhigt das limbische System → weniger Reflexspannung.
Fatigue – Energie stabilisieren
- 4‑2‑4‑Rhythmus Gleichmäßiger Rhythmus ohne Überforderung → klare
Aktivierung ohne Stress. - Atemanker vor jeder Handlung Mini‑Pause, verhindert Überlastung durch zu schnelle Abfolge.
Reizüberflutung – Nervensystem herunterfahren
- Mini‑Bodyscan‑Atmung Aufmerksamkeit lenkt sich nach innen → äußere Reize verlieren Dominanz.
- Sanftes Summen beim Ausatmen Vagus‑Aktivierung → schnelle Beruhigung bei sensorischem Stress.
Stress / innere Unruhe
- 4‑2‑6‑Atmung Langer Ausatem → Herzfrequenz sinkt → Nervensystem beruhigt sich.
- Atem + Schulterfallenlassen Entspannt
Nacken und Schultern → reduziert Spannungsketten.
Einschlafprobleme
- 10 ruhige Atemzüge im Liegen Gleichmäßige Atmung → Übergang in den Schlafmodus.
- Atemzählung rückwärts Fokus beruhigt Gedankenflut.