Therapie nach Hirnschäden: Bobath, Vojta und Affolter im Vergleich
Nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einem Schädel-Hirn-Trauma steht die Rehabilitation im Vordergrund. Doch welche Methode ist die richtige? In der modernen Neuroreha werden oft Elemente aus verschiedenen Konzepten kombiniert. Dennoch haben Bobath, Vojta und Affolter sehr unterschiedliche Herangehensweisen.
1. Das Bobath-Konzept: Der Klassiker der Alltagsbewältigung
Das Bobath-Konzept ist der am weitesten verbreitete Ansatz. Es basiert auf der Plastizität des Gehirns – der Fähigkeit, gesunde Hirnareale so umzustrukturieren, dass sie die Aufgaben der geschädigten Bereiche übernehmen.
- Die Methode: Es gibt keine starren Übungen. Der Therapeut arbeitet am Patienten, um Bewegungen zu führen und die Wahrnehmung der betroffenen Körperseite zu verbessern.
- Ziel: Maximale Selbstständigkeit im Alltag (z. B. sicheres Aufstehen, Waschen, Essen).
2. Das Vojta-Prinzip: Aktivierung durch Reflexe
Václav Vojta entwickelte eine Methode, die ursprünglich aus der Kinderheilkunde stammt, aber auch bei Erwachsenen hochwirksam ist. Hier geht es weniger um das Erlernen von Bewegungen, sondern um das „Abrufen“ genetisch angelegter Muster.
- Der Fokus: Die sogenannte Reflexlokomotion.
- Die Methode: Durch gezielten Druck auf bestimmte Reizpunkte am Körper (in Rücken-, Seiten- oder Bauchlage) löst der Therapeut unwillkürliche Muskelreaktionen aus. Diese betreffen die gesamte Wirbelsäule und die Extremitäten.
- Ziel: Zugriff auf blockierte Bewegungsmuster, Verbesserung der Aufrichtung und Stabilisierung des Rumpfes.
3. Das Affolter-Modell: Lernen durch Spüren
Wenn nach einer Hirnschädigung nicht nur die Motorik, sondern auch die Wahrnehmung gestört ist (z. B. bei einer Agnosie), hilft das Konzept von Félicie Affolter. Es wird oft als „Geführtes Interaktionstherapie“ bezeichnet.
- Der Fokus: Die Lösung von Alltagsproblemen durch taktile Erfahrung.
- Die Methode: Der Therapeut führt die Hände des Patienten bei alltäglichen Handlungen (z. B. beim Einschenken von Wasser oder beim Zähneputzen). Durch den Widerstand und die Reize, die dabei entstehen, lernt das Gehirn wieder, Informationen aus der Umwelt zu verarbeiten.
- Ziel: Die Umwelt wieder „begreifen“ lernen und Handlungsabfolgen verstehen.