
Nach einer neurologischen Erkrankung fühlt sich Multitasking oft unmöglich an. Aufgaben, die früher selbstverständlich parallel liefen, überfordern plötzlich das Gehirn: Reize prallen ungefiltert ein, die Aufmerksamkeit bricht ab, und Fatigue macht selbst kleine Doppelbelastungen schwer.
Doch Multitasking ist keine verlorene Fähigkeit – es ist eine komplexe Gehirnfunktion, die sich langsam und strukturiert wieder aufbauen lässt. Mit klaren Übergängen, kleinen Übungsschritten und einer reizarmen Umgebung kann das Gehirn lernen, Aufgaben erneut zu koordinieren, ohne in Überlast zu geraten.
Nach einer Hirnverletzung ist Multitasking oft das Erste, was verloren geht – und das Letzte, was zurückkehrt. Das Gehirn kann Reize und Aufgaben nicht mehr gleichzeitig koordinieren, weil die Filter‑ und Priorisierungsmechanismen gestört sind. Doch mit Geduld und gezieltem
Training lässt sich diese Fähigkeit langsam wieder aufbauen.
Warum Multitasking so schwierig ist
- Das Gehirn muss zwischen Aufgaben hin‑ und herschalten – das kostet Energie.
- Nach einer Verletzung ist dieser „Schaltmechanismus“ verlangsamt.
- Jede zusätzliche Aufgabe erhöht das Risiko von Fatigue und Fehlern.
- Multitasking ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Überforderung – zumindest in der Reha‑Phase.
Strategie: Schrittweise zurückfinden
- Ein Kanal zur Zeit: Trainiere zuerst das Wechseln zwischen zwei einfachen Aufgaben – z. B. hören und schreiben.
- Klarer Übergang: Sag dir innerlich „Jetzt Aufgabe wechseln“ – das hilft dem Gehirn, bewusst umzuschalten.
- Kurze Sequenzen: 1–2 Minuten pro Aufgabe, dann Pause.
- Visuelle Struktur: Nutze Listen oder Timer, um Aufgaben sichtbar zu trennen.
- Reizarme Umgebung: Kein Hintergrundlärm, keine Ablenkung – das senkt die kognitive Last.
- Langsame Steigerung: Erst wenn zwei Aufgaben stabil laufen, darf eine dritte dazukommen.

„Multitasking kommt zurück – nicht durch Tempo, sondern durch Klarheit und bewusste Übergänge.“
Führe zwei kleine Aufgaben nacheinander aus – aber markiere den Übergang bewusst. Zum Beispiel: erst Wasser einschenken, dann die Tasse wegstellen. Sprich innerlich: „Jetzt Aufgabe wechseln.“
Warum das wirkt:
- Das Gehirn bekommt ein klares Signal, dass eine Aufgabe endet und eine neue beginnt.
- Der Übergang wird trainiert – nicht das gleichzeitige Tun.
- Das reduziert Reizüberflutung und verhindert Fatigue‑Crashs.