Immer erschöpft: Welche Behandlung gibt es bei Fatigue?

Energielos und erschöpft – so fühlen sich oft nicht nur Menschen mit Multipler Sklerose. Auch bei vielen anderen neurologischen Krankheiten gibt es diese krankhafte Müdigkeit, Fatigue genannt.

Was ist Fatigue?

Der Begriff Fatigue (frz. Müdigkeit) steht für eine unnormale, krankhafte Müdigkeit bzw. Erschöpfbarkeit. Wer daran leidet, kann seinen alltäglichen Aufgaben nur noch eingeschränkt nachkommen.

Welche Unterschiede zwischen verschiedenen Fatigue-Formen gibt es?

Wir kennen Fatigue in Verbindung mit vielen neurologischen Erkrankungen: Typisch ist sie zum Beispiel bei Multipler Sklerose. Aber auch andere nicht-neurologische chronische Erkrankungen können mit Fatigue einhergehen. Und schließlich gibt es das immer noch wegen seiner ungeklärten Ursachen und Entstehungsmechanismen kontrovers diskutierte Chronische Müdigkeitssyndrom, auch Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS) oder Myalgische Enzephalomyelitis (ME) genannt.

Was kann ich gegen Fatigue tun?

Es ist sehr wichtig, sich umfassend zu informieren. Neurologen und auch Hausärzte klären mögliche Ursachen ab, beraten, können Behandlungen initiieren und begleiten den weiteren Weg. Auch Selbsthilfegruppen geben große Unterstützung. So finden Leidtragende auch weitere Hinweise zu Therapieoptionen sowie zum Umgang mit den Beschwerden im Alltag.

Wie zeigt sich Fatigue? Wie erkennt man als Laie Fatigue?

Fatigue ist definiert als krankhafte – das heißt eine über das normale Maß hinausgehende – Erschöpfung und Erschöpfbarkeit, die sich den üblichen Erholungsstrategien verschließt. Gesunder Lebensstil, angemessene Pausen und erholsamer Schlaf haben also nur einen bedingten Einfluss. Der ausgeprägte Energiemangel und die Leistungsschwäche beeinträchtigen dabei kognitive, körperliche und psychosoziale Anforderungen des Alltags.

Welche Symptome stellt man bei einer Fatigue fest?

Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte können die Beschwerden zusammenführen und der zugrundeliegenden Erkrankung zuordnen. Für sie ist zudem sehr wichtig, dass neben der grundsätzlich erlebten Erschöpftheit bei ganz normalen Alltagsaufgaben zusätzlich das Unvermögen besteht, eine (motorische oder mentale) Leistung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Nach der Definition des Syndroms müssen die Probleme an den meisten Tagen eines Monats vorhanden sein.

Wann tritt Fatigue auf? Welche Auslöser gibt es?

Bei Multipler Sklerose ist Fatigue für etwa die Hälfte der Betroffenen das am meisten belastende Symptom. Sie kann als erstes Symptom, als Schubsymptom auftreten oder aber im Verlauf schleichend hinzukommen. Doch auch nach einem Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, beim Morbus Parkinson, Autoimmunerkrankungen beziehungsweise rheumatologischen Krankheiten, Tumorleiden und chronischen Infektionen kann es zu einer Fatigue kommen. Weiterhin können mit Fatigue Medikamentennebenwirkungen, chronische Schlafstörungen, Schmerzen, Stoffwechselerkrankungen, Anämie oder auch eine Depression einhergehen.

Das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) wiederum tritt häufig nach Virusinfekten auf und setzt dabei meist plötzlich ein. Die oft unspezifischen Beschwerden halten länger als 6 Monate an und betreffen zahlreiche Funktionssysteme von „Körper und Seele“.  Neben der typischen Zustandsverschlechterung nach Belastung bestimmen grippeähnliche Beschwerden, Schmerzen, Schlafstörungen, neurologische und kognitive Manifestationen, Reizintoleranzen, Störungen des vegetativen Nervensystems sowie eine Anfälligkeit für Infekte und Allergien das Bild.

Kann ich dazu beitragen, dass ich keine Fatigue bekomme?

Grundsätzlich sind ein aktiver Alltag mit regelmäßiger Bewegung und sozialen Kontakten, eine gesunde vollwertige Ernährung und unterstützende Schlafhygiene sinnvoll. Man weiß, dass Depressionen, Inaktivität, Schmerzen, Schlafstörungen und manche Medikamente Fatigue begünstigen können. Doch kommt es im Zusammenhang mit den oben erwähnten neurologischen Erkrankungen einerseits zu Gewebeschäden, die somit entweder un- oder mittelbarer Grund sind. Andererseits schiebt ein aktiviertes Immunsystem Kaskaden an, die zu Fatigue führen. Damit sind die persönlichen Einflussnahmen begrenzt.

Gibt es besondere Risikofaktoren für Fatigue? Kann man vorsorgen?

Für das Auftreten nach einem Schlaganfall werden zum Beispiel Assoziationen mit körperlicher Behinderung, Schlafstörungen, Schmerzen, Depression, Angst und kognitiven Defiziten diskutiert. Auch individuelle Aspekte im Sinne eines leicht aktivierbaren oder überaktiven Immunsystems spielen offenbar eine modulierende Rolle – insbesondere bei sogenannten Autoimmunerkrankungen.

Einen genetischen Einfluss legen Ergebnisse zur tumorassoziierten Fatigue nahe. Bis über 30 Prozent der Tumorpatienten zeigen auch nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung eine fortbestehende Fatigue. Nicht selten fällt eine Episode körperlicher Anstrengung oder psychischer Belastung mit dem Erkrankungsbeginn eines Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) zusammen. Es ist somit sehr wichtig, einen aktiven und achtsamen Lebensstil zu verfolgen.

Ist Fatigue heilbar?

Im Rahmen chronischer Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Morbus Parkinson kann zwar nicht mit einer Heilung dieses Phänomens, aber mit einer Beschwerdelinderung gerechnet werden. Nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma können sich die Symptome gerade im ersten Jahr bessern, aber auch über viele Jahre bestehen bleiben.

Beim Chronischem Fatigue-Syndrom (CFS) ist ein spontanes Verschwinden der Beschwerden, insbesondere ohne Behandlung selten. Eine Symptombesserung kann bis zu einem Drittel der Patienten erreicht werden. Patienten mit anhaltender Symptomfokussierung oder zusätzlichen psychiatrischen Erkrankungen haben eine eher schlechte Prognose.

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