Ein Schlaganfall im Schlaf, oft als “Wake-Up Stroke” bezeichnet, tritt auf, wenn Symptome wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Schwindel direkt beim Aufwachen bemerkt werden. Etwa 20-25 % der Schlaganfälle ereignen sich nachts. Das Hauptproblem ist der unbekannte Zeitpunkt des Auftretens, was die Akuttherapie (wie Thrombolyse oder mechanische Thrombektomie) erschwert. Spezialisierte MRT-Untersuchungen helfen jedoch, den Zeitpunkt einzugrenzen.
Wichtige Fakten zum Schlaganfall im Schlaf:
- Symptome beim Erwachen: Typische Anzeichen sind halbseitige Schwäche oder Taubheitsgefühl, Probleme beim Sprechen, verschwommene Sicht, Gleichgewichtsstörungen oder starke Kopfschmerzen.
- Diagnose & Behandlung: Obwohl der genaue Zeitpunkt fehlt, können moderne Bildgebungsverfahren (MRT) im Krankenhaus innerhalb von 10-15 Minuten feststellen, ob eine akute Behandlung wie die the Thrombolyse (Auflösung des Gerinnsels) noch möglich ist.
- Ursachen & Risiken: Risikofaktoren sind ähnlich wie tagsüber: Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen. Zudem kann laut Studien eine Schlafdauer von mehr als 9 Stunden das Schlaganfallrisiko erhöhen. Auch nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) spielen eine Rolle.
- Sofortmaßnahmen: Bei Verdacht sofort den Notarzt (112) rufen. Keine Zeit durch Abwarten verlieren.
Hinweis: Wenn Sie vermuten, dass ein Schlaganfall vorliegt, ist dies ein absoluter Notfall, der sofortiges Handeln erfordert.

Wie erkennt man einen Schlaganfall im Schlaf?
Menschen, die über Nacht einen Schlaganfall erleiden, wachen mit Symptomen wie einem hängenden Gesicht, Sprachstörungen, Seh- und Koordinationsstörungen sowie Schwäche oder Taubheitsgefühl auf einer Körperseite auf. „Die meisten unserer Schlaganfallbehandlungen basieren auf einem Zeitfenster von 4,5 Stunden ab dem Zeitpunkt des Schlaganfalls“
Warum erleiden Menschen Schlaganfälle im Schlaf?
Neben anderen bekannten Risikofaktoren erhöhen Schnarchen, Schlafapnoe, Übergewicht und Tagesschläfrigkeit das Schlaganfallrisiko nachweislich signifikant. Wir beschreiben zwei Fälle, die den statistischen Zusammenhang zwischen Schnarchen, Schlafapnoe und Schlaganfall im Schlaf belegen.
Was geschieht einen Tag vor einem Schlaganfall?
Zu den Warnzeichen eines Schlaganfalls gehören: Schwäche oder Taubheitsgefühl im Gesicht, Arm oder Bein, meist einseitig. Sprach- oder Verständnisschwierigkeiten. Sehstörungen wie verschwommenes Sehen oder Sehverlust auf einem oder beiden Augen.
Was ist die goldene Stunde bei einem Schlaganfall?
„Mit der ‚goldenen Stunde‘ sind die ersten 60 Minuten nach dem Auftreten eines Schlaganfalls gemeint, in denen die größte Chance besteht, die Durchblutung wiederherzustellen und gefährdetes Gewebe zu retten “.
Was wenn ich alleine lebe?
- Sofort 112 rufen.
- Tür entriegeln, um Rettungskräften den Zugang zu ermöglichen.
- Nicht selbst fahren.
- Symptome und deren Entdeckungszeitpunkt notieren.
Immer wieder kommt es vor, dass Menschen einen Schlaganfall im Schlaf erleiden. Da Betroffene ihn meist nicht bemerken, geht wertvolle Zeit verloren und das Gehirn kann erheblichen Schaden nehmen.
Schlaganfall: verstopftes Gefäß oder Hirnblutung?
Ein Schlaganfall, medizinisch Apoplex, kann verschiedene Auslöser haben. In etwa 80 Prozent der Schlaganfälle ist die Durchblutungsstörung im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verursacht. Ist ein Blutgerinnsel für den Gefäßverschluss ursächlich, sprechen Mediziner von Hirninfarkt oder ischämischem Schlaganfall.
In 20 Prozent aller Schlaganfälle ist eine Hirnblutung die Ursache. Mediziner sprechen auch von hämorrhagischem Schlaganfall. Platzt ein Gefäß im Gehirn, löst das austretende Blut eine Minderdurchblutung des Gehirns aus. Der Druck des austretenden Blutes schädigt das Gehirngewebe zusätzlich.
Das Ausmaß der Gehirnschädigung bei einem Schlaganfall ist abhängig davon, welcher Bereich des Gehirns wie lange von der Minderversorgung betroffen ist. Etwa 40 von 100 Menschen, die einen Schlaganfall überleben, haben dauerhaft stärkere Beeinträchtigungen. Jeder fünfte Betroffene stirbt innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Schlaganfall. Der Schlaganfall gehört zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Risiko Schlaganfall im Schlaf
Das Risiko für schwere Verläufe steigt, wenn der Schlaganfall erst zeitverzögert behandelt wird. Das kann beispielsweise passieren, wenn ein Schlaganfall im Schlaf stattfindet und dadurch viele Stunden unbemerkt bleibt. Dann geht wertvolle Zeit verloren. Das Gehirn kann irreparable Schäden erleiden.
“Es gibt keine genauen Daten, wie häufig Schlaganfälle im Schlaf passieren”, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Klinikdirektor der Klinik für Neurologie im Evangelischen Klinikum Bethel und Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft (DSG). “Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Schlaganfälle sogenannte ‘wake-up-strokes’ sind, die Betroffenen also mit Schlaganfallsymptomen aufwachen.”
TIA und “echter” Schlaganfall im Schlaf
Grob lassen sich zwei Szenarien von Hirndurchblutungsstörungen im Schlaf unterscheiden:
- Im Schlaf findet unbemerkt ein “kleiner” Schlaganfall statt.
- Im Schlaf findet ein “echter” Schlaganfall statt.
Ein “kleiner Schlaganfall” ist dadurch gekennzeichnet, dass die gleichen Symptome wie bei einem echten Schlaganfall auftreten – allerdings nur für kurze Zeit. Dann lassen die Symptome wieder nach. Im Schlaf bemerkt die betroffene Person die sogenannte “Transitorisch Ischämische Attacke”, kurz TIA, in der Regel nicht.
“Die Symptome einer TIA, darunter Sehstörungen, Schwäche und Gefühlsstörungen, können leicht verschlafen werden”, so der Facharzt für Neurologie. “Da eine TIA häufig Vorbote für einen vollendeten Schlaganfall ist, bleibt in einem solchen Fall ein bedeutendes Warnsignal, das ebenfalls ärztlich behandelt werden sollte, unbemerkt.”
Echter Schlaganfall im Schlaf: Wertvolle Zeit geht verloren
Findet der “echte” Schlaganfall im Schlaf statt und bemerken Betroffene die Symptome erst nach dem Aufwachen, ist bereits wertvolle Zeit verloren gegangen. Das Risiko für bleibende Schäden im Gehirn nimmt mit jeder Minute zu. “Zeit ist Gehirn“.
Pro verstrichener Minute nach einem Schlaganfall sterben fast zwei Millionen Gehirnzellen ab. Je länger die betroffene Gehirnregion unterversorgt ist, desto größer ist der Schaden im Gehirngewebe. Die Therapieoptionen verschlechtern sich”
Schlaganfall-Therapie: Zeitfenster ist begrenzt
Um beispielsweise ein durch ein Gerinnsel verstopftes Gefäß im Rahmen einer Thrombolyse medikamentös auflösen und ein verstopftes Gefäß dadurch wieder öffnen zu können, steht ein begrenztes Zeitfenster von 4,5 Stunden nach Beginn der ersten Schlaganfall-Symptome zur Verfügung. Ist das Therapiezeitfenster überschritten, erschwert das die Therapie eines “wake-up stroke”. Zwar kann die Thrombolyse auch später noch durchgeführt werden, die Erfolgsaussichten sinken aber deutlich.
“Da man bei einem Schlaganfall, der erst nach dem Aufwachen bemerkt wird, nicht weiß, wie viel Zeit bereits verstrichen ist, nutzt man bei wake-up-strokes bildgebende Verfahren wie eine MRT oder CT, um zu schauen, ob noch rettbares Gewebe vorhanden ist und ob eine Akuttherapie mittels Thrombolyse oder Thrombektomie durchgeführt werden kann”.
Wann ist das Risiko für einen nächtlichen Schlaganfall erhöht?
Laut dem Schlaganfall-Experten gibt es keine klassischen Risikofaktoren für einen nächtlichen Schlaganfall. Man könne nicht sagen, dass bestimmte Menschen anfälliger seien als andere. Bekannt ist, dass Schlaganfälle morgens besonders häufig sind.
“Das ist auf den chronobiologischen Schlaf-Wach-Rhythmus des Körpers zurückzuführen. Schlaganfälle finden häufig in den frühen Morgenstunden statt – was das Risiko erhöht, dass die Symptome zeitverzögert nach dem Aufwachen wahrgenommen werden”

Was tun, wenn man einen Schlaganfall erleidet und allein lebt?
Wenn Sie allein sind und Anzeichen eines Schlaganfalls bemerken, rufen Sie sofort den Notruf (112) und fahren Sie nicht selbst ins Krankenhaus. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben, begeben Sie sich an einen sicheren Ort, öffnen Sie nach Möglichkeit Ihre Tür und notieren Sie sich den Zeitpunkt des Symptombeginns. Schlafen Sie nicht ein und nehmen Sie keine Medikamente, Speisen oder Getränke zu sich.
Sicherheit für Alleinlebende:
Ein Hausnotruf-System kann entscheidend sein, um im Ernstfall schnell Hilfe zu rufen, falls man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.