Wie entsteht eine Spastik?

Eine Spastik ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das durch eine Schädigung des zentralen Nervensystems (ZNS) – also des Gehirns oder des Rückenmarks – entsteht. 

Der Entstehungsprozess im Detail

Normalerweise stehen Muskeln und Nervensystem in einem ständigen Austausch. Das Gehirn sendet Signale, um Muskeln anzuspannen oder zu entspannen, und das Rückenmark verarbeitet Reflexe. Bei einer Spastik ist dieser Regelkreis gestört:

  • Unterbrechung der Hemmung: Durch eine Verletzung der Nervenbahnen (insbesondere der Pyramidenbahn) gehen hemmende Signale verloren.
  • Übererregbarkeit: Da die dämpfenden Signale vom Gehirn fehlen, reagieren die Reflexbögen im Rückenmark überempfindlich auf Dehnungsreize.
  • Dauerspannung: Schon bei geringer Bewegung ziehen sich die Muskeln unwillkürlich zusammen. Dies führt zu der typischen Erhöhung des Muskeltonus (Eigenspannung), die als Steifigkeit oder Krampf wahrgenommen wird.

Klassifikation von Spastik

Je nach Ausbreitung unterscheidet man in der Medizin zwischen einer fokalen Spastik, wenn einzelne Muskeln oder Gliedmaße betroffen sind, sowie einer segmentalen und generalisierten Spastik, die mehrere Körperteile bzw. den ganzen Körper umfasst.

Entsprechend des Verteilungsmusters lässt sich die Spastik einteilen in:

Gemäß der aktuellen Leitlinie unterscheidet man zusätzlich explizit zwischen fokaler (einzelne Bewegungssegmente), multifokaler (mehrere voneinander getrennte Bewegungssegmente), segmentaler (mehrere benachbarte Segmente einer Extremität), multisegmentaler (zwei Extremitäten oder eine Extremität mit Rumpf) und generalisierter (mehr als zwei Extremitäten inkl. Rumpf) Spastik.

Typische Spastikmuster und Bewegungseinschränkungen

Die Spastik betrifft je nach Schweregrad und Lokalisation unterschiedliche Muskelgruppen. Dabei entstehen typische Bewegungs- und Haltungsmuster, die durch die übermäßige Spannung bestimmter Muskeln geprägt sind und die Beweglichkeit stark beeinflussen.

An den oberen Extremitäten zeigt sich die Spastik häufig durch eine Einwärtsdrehung der Schulter oder des Unterarms sowie durch enges Heranziehen an den Körper. Diese Haltungen erschweren alltägliche Bewegungen wie das Heben eines Glases oder feinmotorische Tätigkeiten wie Schreiben. Oft sind Ellenbogen und Handgelenke stark gebeugt, und die Finger verharren in einer Fauststellung.

An den unteren Extremitäten äußert sich Spastik häufig durch gestreckte oder gebeugte Knie sowie typische Fußfehlstellungen wie dem spastischen Spitzfuß. Betroffene können auch unter einer Überstreckung der Großzehe oder gekrümmten Zehen leiden. Die Muster beeinträchtigen das Gehen, Stehen und Treppensteigen erheblich. Viele Betroffene sind daher auf Hilfsmittel wie Rollatoren, Stöcke oder Rollstühle angewiesen, um ihre Mobilität zu erhalten.

Häufige Ursachen

Die Schädigung des ZNS kann verschiedene Auslöser haben:

Verlauf

Oft tritt eine Spastik nicht sofort nach der Verletzung auf. Nach einem Schlaganfall beginnt es häufig mit einer schlaffen Lähmung, die sich erst im Verlauf der ersten Wochen oder Monate zu einer spastischen Lähmung entwickelt. Faktoren wie Kälte, Stress oder Schmerzen können die Intensität der Spastik temporär verstärken.

Was verschlimmert eine Spastik?

Eine Spastik kann durch verschiedene Faktoren, wie Schmerzen, starke Emotionen oder Entzündungen, ausgelöst bzw. verschlimmert werden. Über Tagen bis Wochen verändert sich zudem die Struktur spastisch gelähmter Muskeln, wodurch sie noch steifer werden.

Ist eine Spastik heilbar?
Eine Spastik lässt sich gut behandeln, wenn sie frühzeitig diagnostiziert wird. Es ist wichtig, dass Sie in der Nachsorgephase eines Schlaganfalls Unterstützung durch eine Ärztin/einen Arzt und PhysiotherapeutInnen in Anspruch nehmen.