
Nach einer Hirnverletzung kommt es häufig zu funktionellen Einschränkungen wie Hemiparese, reduzierter Mobilität und Gangunsicherheit. Diese Faktoren erhöhen das Risiko für Stürze und erschweren die selbstständige Bewältigung alltäglicher Aktivitäten.
Da ein grosser Teil der Stürze im häuslichen Umfeld auftritt, ist eine gezielte Wohnumfeldabklärung ein zentraler Bestandteil der Rehabilitation und Nachsorge. Ziel ist es, potenzielle Gefahrenquellen zu identifizieren, die Wohnsituation an die individuellen Fähigkeiten anzupassen und so Sicherheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität der betroffenen Person langfristig zu verbessern.
Eine Wohnumfeld‑Abklärung bei Hemiparese mit Mobilitätseinschränkung und Gangunsicherheit (z. B. nach Hirnverletzung) ist ein zentraler Bestandteil der Reha (v. a. Ergotherapie/ggf. Pflegedienst).
Ziel ist: Sturzprävention, Erhalt der Selbstständigkeit und sichere Alltagsbewältigung.
Hier ist eine strukturierte, praxisnahe Übersicht, wie eine solche Abklärung aufgebaut ist:
1. Ziel der Wohnumfeldabklärung
- Risiken im häuslichen Umfeld identifizieren (v. a. Sturzgefahr)
- Wohnung an funktionelle Einschränkungen anpassen
- Selbstständigkeit in ADL/IADL fördern
- Pflege und Betreuung erleichtern
Wichtig: Es wird immer die Person + Umwelt gemeinsam beurteilt (Funktionsniveau + Wohnraum)
2. Inhalte der Abklärung (Assessment-Bereiche)
A) Personenbezogene Faktoren
- Mobilität (Gehfähigkeit, Transfers, Einsatz von Hilfsmitteln)
- Gangbild / Gleichgewicht (Gangunsicherheit)
- Kraft, Koordination, Sensibilität (Hemiparese!)
- Kognition / Orientierung (bei Hirnverletzung relevant)
- Fatigue
- Sturzanamnesen
- Seh‑ und Hörfähigkeit
- Medikation (z. B. Schwindel)
B) Umweltbezogene Faktoren (Wohnraumanalyse)
Die Abklärung erfolgt meist systematisch Raum für Raum:
Allgemeine Sicherheit
- Stolperfallen (Teppiche, Kabel)
- Beleuchtung (Flur, Nachtwege)
- rutschfeste Böden
- Rauchmelder, Notrufsystem
Viele Stürze passieren zu Hause → Prävention zentral
Mobilität & Wegeführung
- ausreichende Gangbreite (≥ ca. 90 cm sinnvoll)
- freigeräumte Wege
- Schwellen / Niveauunterschiede
- Sitzmöglichkeiten (bei Fatigue)
3. Transfers (kritisch bei Hemiparese!)
- Bett ↔ Stand
- Stuhl ↔ Stand
- WC / Dusche
Beurteilung: sicher / unsicher / Hilfsmittel nötig
Bad & WC (hohes Sturzrisiko)
- Haltegriffe vorhanden?
- bodengleiche Dusche / Wanne
- Duschsitz, Badewannenlift
- rutschhemmende Flächen
- WC-Höhe angepasst
Küche
- Erreichbarkeit (Greifhöhe!)
- einhändige Bedienbarkeit (Hemiparese!)
- sichere Geräte (z. B. Induktion)
- stabile Arbeitsflächen
Schlafzimmer
- Bettzugang (
betroffene Seite!) - Bett-Höhe (Transferfähigkeit)
- Nachtlicht / Orientierung
Eingang / Umgebung
- Treppen, Handläufe
- Lift / Rampe
- Zugang zur Wohnung (Schlüssel, Sicherheit)
Alltagsaktivitäten (OT-Perspektive)
- ADL: Anziehen, Waschen, Essen
- IADL: Kochen, Haushalt
- Bewegungsradius (innen / außen)
OT bewertet: Welche Aktivitäten sind eingeschränkt und warum?
Typische Risiken bei Hemiparese
- einseitige Schwäche → Gleichgewichtsprobleme
- eingeschränkte Armfunktion → unsicheres Festhalten
- verlangsamte Reaktionen
- erhöhte Sturzgefahr bei Drehungen / Transfers
Gangunsicherheit entsteht durch neurologische & muskuläre Defizite
Typische Empfehlungen / Massnahmen
Umweltanpassung
- Entfernen von Stolperfallen
- Haltegriffe / Handläufe
- Antirutschmatten
- Verbreiterung von Wegen
- Schwellenrampen
Hilfsmittel
- Rollator / Gehstock
- Greifzange
- Duschhocker
- Bettgalgen
Funktionelle Anpassung
- einhändige Techniken trainieren
- Routinen entwickeln
- Energie sparen (Fatigue‑Management)
Technik
- Notrufsysteme
- Smart-Home (Licht, Sicherheit)
Ziel: Gefahren reduzieren + Selbstständigkeit erhöhen
Ablauf einer professionellen Abklärung
- Anamnese & Zieldefinition
- funktionelle Beurteilung (Mobilität, ADL)
- Wohnungsrundgang (systematisch, Raum für Raum)
- Identifikation von Risiken
- Priorisierung (v. a. Sturzrisiko)
- Empfehlungen + Massnahmenplan
- ggf. Hilfsmittelverordnung / Umbau
Kurz zusammengefasst
Die Wohnumfeldabklärung bei Hemiparese fokussiert auf:
✔ Sturzprävention
✔ sichere Mobilität (Gehen, Transfers)
✔ Anpassung der Umgebung an Einhändigkeit & Defizite
✔ Förderung von Selbstständigkeit

Formuliere die Einleitung möglichst funktional und zielorientiert (typisch für Pflege/Ergo/Physio), z. B. mit Stichworten wie Sicherheit, Selbstständigkeit, Sturzprävention und individuelle Anpassung.
Eine gute Einleitung nennt immer:
- Ziel der Abklärung (Sicherheit + Selbstständigkeit)
- Ausgangssituation (Hirnverletzung, Hemiparese)
- Problematik (Mobilität, Gangunsicherheit)
- Konsequenz (erhöhtes Sturzrisiko)
„Von der Einschränkung → zum Risiko → zum Ziel der Abklärung“
Die Wohnumfeldabklärung wird hauptsächlich durch Ergotherapeut:innen durchgeführt, oft in Zusammenarbeit mit Spitex‑Pflegefachpersonen, Physiotherapeut:innen und Ärzt:innen im Rahmen einer interprofessionellen Betreuung.
Die Finanzierung von Wohnumfeldanpassungen erfolgt in der Schweiz je nach Situation durch die Invalidenversicherung, Kranken- oder Unfallversicherung sowie durch Ergänzungsleistungen; oft müssen Betroffene einen Teil der Kosten selbst übernehmen.
Die Wohnumfeldanpassung wird in Deutschland hauptsächlich von der Pflegekasse bezahlt – mit einem Zuschuss von bis zu ca. 4.180 € pro Maßnahme (bei anerkanntem Pflegegrad). Reicht das nicht, muss der Rest selbst bezahlt werden; zusätzliche Förderungen (z. B. KfW) sind möglich.