Aktivierung vor dem Gehen – Neurotraining starten

Nach einer Hirnverletzung reagiert der Körper oft mit erhöhter Muskelspannung oder Zittern.

Bevor das eigentliche Gehtraining beginnt, helfen kurze Aufwärm‑ und Dehnübungen, Spastik zu lösen und Tremor zu beruhigen. Sie bereiten Muskeln, Gelenke und Wahrnehmung auf die Bewegung vor – ruhig, strukturiert und ohne Überforderung.

Ziel: den Körper in einen Zustand bringen, in dem Gehen wieder flüssiger, sicherer und bewusster möglich wird.

Aufwärmen & Dehnen vor dem Gehtraining
(nach neurologischer Hirnverletzung – gegen Spastik und Tremor)

1. Atem & Wahrnehmung aktivieren
Ziel: Spannung senken, Körperwahrnehmung einschalten.
Ablauf:

  • Aufrecht sitzen oder stehen.
  • 3 tiefe Atemzüge – langsam ein, doppelt so lang aus.
  • Beim Ausatmen bewusst Schultern und Gesicht entspannen.
  • Kurz spüren: „Wo ist Ruhe, wo Spannung?“

2. Fuss‑ und Beinachsen mobilisieren
Ziel: Spastik lösen, Bewegung vorbereiten.
Ablauf:

  • Im Sitzen: Ferse bleibt am Boden, Vorderfuss langsam heben und senken.
  • 5–8 Wiederholungen pro Seite.

Danach: beide Füsse gleichzeitig leicht nach außen drehen und zurück.
Wirkung: Aktiviert die dorsale Muskelkette, reduziert Tonus.

3. Hände & Arme lockern
Ziel: Tremor beruhigen, Muskeltonus regulieren.
Ablauf:

  • Arme locker hängen lassen.
  • Hände leicht ausschütteln – wie Wassertropfen abstreifen.

Danach: Finger langsam öffnen und schließen, 5×.
Wirkung: Fördert rhythmische Aktivität statt Zittern.

4. Rumpf & Gleichgewicht aktivieren
Ziel: Stabilität für das Gehtraining schaffen.
Ablauf:

  • Im Sitzen oder Stehen: Gewicht sanft nach links und rechts verlagern.
  • Kopf bleibt ruhig, Bewegung kommt aus dem Becken.
  • 10–15 Sekunden pro Seite.

Wirkung: Aktiviert Gleichgewichtssystem und Tiefensensibilität.

5. Mini‑Schrittprobe mit Stock
Ziel: Bewegung vorbereiten, Rhythmus finden.
Ablauf:

  • 4‑Punkte‑Stock leicht vor sich setzen.
  • Betroffene Seite bewusst aktivieren (z. B. kurzer Blick oder Berührung).
  • Mini‑Schritt nach vorne – nur wenige Zentimeter.
  • Pause, Gewicht spüren, dann zurück.

Wirkung: Gehirn „lernt“ den Bewegungsrhythmus, bevor das eigentliche Gehen startet.

Spastik und Tremor beruhigen sich, wenn Bewegung vorbereitet, nicht erzwungen wird.
Erst Wahrnehmung – dann Bewegung – dann Rhythmus.

Spannung zuerst runter, dann erst bewegen

Bevor du mit dem Gehtraining startest, nimm dir 10 Sekunden, um die betroffene Seite bewusst zu entspannen:

  • Atme langsam aus
  • Lass Schulter, Hand oder Bein der betroffenen Seite sinken
  • Spüre kurz: „Weniger Spannung – mehr Kontrolle“

Diese Mini‑Pause reduziert Spastik, beruhigt Tremor und macht die ersten Schritte deutlich stabiler.