
Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die häufig nach einer Hirnverletzung, beispielsweise einem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma, auftritt.
Dabei können verschiedene Bereiche der Sprache
betroffen sein – wie das Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben. Logopädische Sprachübungen sind ein zentraler Bestandteil der Rehabilitation und zielen darauf ab, verlorene sprachliche Fähigkeiten wieder aufzubauen oder alternative Kommunikationsstrategien zu entwickeln.
Durch gezielte, regelmäßige Übungen und individuell angepasste Therapieansätze kann die sprachliche Kommunikation im Alltag schrittweise verbessert und die Selbstständigkeit der Betroffenen gestärkt werden.
Grundprinzipien
- Übungen werden individuell angepasst (Schweregrad, Aphasieform)
- wichtig sind Wiederholung, Alltagbezug und Regelmäßigkeit
- Eigentraining zu Hause unterstützt den Fortschritt zusätzlich
1. Wortfindung (häufigstes Problem)
- Gegenstände benennen (z. B. Bild zeigen → „Was ist das?“)
- Kategorien aufzählen (z. B. „Nenne Tiere / Lebensmittel“)
- Begriff umschreiben lassen („Wofür benutzt man das?“)
- Synonyme/Gegenteile finden
Ziel: Aktivierung des Wortschatzes und leichteres Abrufen von Wörtern
2. Sprachverständnis
- Ja/Nein‑Fragen beantworten
- Anweisungen ausführen („Nimm den Stift und lege ihn auf den Tisch“)
- Bild–Wort‑Zuordnung
- Fehler erkennen („Was passt nicht?“)
Ziel: Gesprochene Sprache besser verstehen
3. Nachsprechen / Artikulation
- Silben, Wörter und Sätze nachsprechen
- rhythmisches Sprechen / Silben klatschen
- Lieder oder Reime sprechen/singen
Ziel: Sprachproduktion flüssiger und deutlicher machen
4. Lesen & Schreiben
- Laute Wörter laut lesen
- Lückensätze ergänzen (z. B. Sprichwörter)
- Wörter oder Sätze abschreiben
- Bild → Wort schreiben
Ziel: Schriftsprache wieder aufbauen
5. Satzbau & Kommunikation
- Sätze vervollständigen („Ich gehe zum …“)
- Bild beschreiben
- Einfache Dialoge üben
- Alltagssituationen simulieren (Einkaufen, Telefonieren)
Ziel: Kommunikation im Alltag verbessern
6. Funktionelle Kommunikation (sehr wichtig!)
- Gestik, Zeichnen, Schreiben parallel einsetzen
- Ziel: Mitteilung verständlich machen – nicht perfekte Sprache
Einfache Übungen für zu Hause
- Gegenstände im Raum benennen
- Zeitung laut lesen (kurze Texte)
- Einkaufsliste gemeinsam erstellen
- Memory, Kreuzworträtsel, Wortspiele
- Gespräche üben (langsam, mit Zeit)

Wichtig
- Überforderung vermeiden
- Übungen ersetzen keine Logopädie → nur Ergänzung
- besser täglich kurz üben (10–30 min) statt selten lange
Aphasieformen – Zusammenfassung
| Aphasieform | Hauptproblem | Sprache (Sprechen) | Sprachverständnis | Typisches Merkmal |
|---|---|---|---|---|
| Broca‑Aphasie | Sprachproduktion gestört | langsam, angestrengt, kurze Sätze | relativ gut erhalten | „Telegrammstil“ (z. B. „Ich… kaufen Brot“) |
| Wernicke‑Aphasie (sensorisch, flüssig) | Sprachverständnis gestört | flüssig, aber oft unverständlich | stark eingeschränkt | viele falsche/erfundene Wörter |
| Globale Aphasie | Sprache insgesamt stark beeinträchtigt | sehr eingeschränkt bis kaum möglich | stark eingeschränkt | kaum Kommunikation möglich |
Kurz erklärt
- Broca-Aphasie:
Betroffene wissen, was sie sagen wollen, können es aber schwer ausdrücken. - Wernicke-Aphasie: Betroffene sprechen flüssig, verstehen Sprache aber schlecht und wirken oft „verwirrt“.
- Globale Aphasie: Schwerste Form – sowohl Sprechen als auch Verstehen sind stark betroffen.
Merksatz:
- Broca = „weiß, aber kann nicht sprechen“
- Wernicke = „spricht, aber versteht nicht gut“
- Global = „beides stark gestört“