Wichtige Verhaltensregeln in der Akutrehabilitation nach Hirnverletzung

Die ersten Tage und Wochen nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einem Schädel-Hirn-Trauma sind entscheidend für die weitere Erholung.

In dieser Phase beginnt die Akutrehabilitation mit dem Ziel, verloren gegangene Funktionen möglichst früh wiederherzustellen und Folgeschäden zu vermeiden. Neben gezielten therapeutischen Maßnahmen ist es ebenso wichtig, bestimmte Verhaltensweisen zu vermeiden. Überforderung, mangelnde Mobilisation, Vernachlässigung medizinischer Vorgaben oder unnötige Risiken können den Rehabilitationserfolg beeinträchtigen und den Heilungsverlauf verzögern.

Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Förderung und Schonung bildet daher die Grundlage einer erfolgreichen neurologischen Rehabilitation.

In der Akutrehabilitation nach Schlaganfall, Hirnblutung oder Schädel-Hirn-Trauma gibt es einige Fehler, die möglichst vermieden werden sollten:

Unbedingt zu vermeiden sind :
  • Zu frühe Überforderung
    • Keine übermäßig langen oder zu intensiven Therapien, wenn der Patient schnell ermüdet.
    • Geistige und körperliche Erschöpfung kann die Rehabilitation behindern.
  • Langes Liegen und Immobilität
    • Sofern ärztlich erlaubt, sollte eine frühe Mobilisation erfolgen, da längere Bettruhe Komplikationen wie Muskelabbau, Thrombosen oder Druckstellen fördert.
  • Sturzrisiken unterschätzen
    • Allein aufstehen, laufen oder Treppen benutzen ohne Freigabe oder Hilfsmittel.
    • Nach Hirnschäden sind Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit oft eingeschränkt.
  • Blutdruck, Blutzucker und Medikamente vernachlässigen
    • Die ärztlich verordneten Medikamente müssen konsequent eingenommen werden.
    • Eigenmächtige Änderungen können gefährlich sein.
  • Alkohol, Drogen und Rauchen
    • Diese erhöhen das Risiko weiterer Hirnschäden und können die Erholung verzögern.
  • Schmerzen ignorieren
    • Schulter-, Kopf- oder Gelenkschmerzen sollten immer dem Behandlungsteam gemeldet werden.
  • Den betroffenen Arm oder das betroffene Bein falsch bewegen
    • Besonders die Schulter nach Schlaganfall ist verletzungsanfällig.
    • Keine ruckartigen Bewegungen oder Ziehen am gelähmten Arm.
  • Zu wenig Schlaf und Ruhe
    • Das Gehirn benötigt nach einer Verletzung oder Blutung viel Erholungszeit.
  • Negative Haltung („Das wird sowieso nichts mehr“)
    • Das Gehirn besitzt eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit (Neuroplastizität). Regelmäßiges Training ist wichtig.

Gib Dir Zeit und sei geduldig mit Dir selbst. Nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einem Schädel-Hirn-Trauma verläuft die Genesung oft schrittweise. Auch kleine Fortschritte sind wertvolle Erfolge. Versuche, Dich nicht mit anderen Betroffenen zu vergleichen, sondern konzentriere Dich auf Deine persönlichen Ziele und Fortschritte.

Nimm Unterstützung an, halte Dich an die Therapieempfehlungen und gönne Deinem Körper ausreichend Ruhe. Mit Ausdauer, regelmäßiger Übung und Zuversicht kannst Du Deine Rehabilitation aktiv unterstützen.

Besonders für Angehörige wichtig
  • Nicht alles für die betroffene Person übernehmen.
  • Nicht ständig korrigieren oder drängen.
  • Genügend Zeit zum Antworten und Ausführen von Bewegungen geben.
Besonders wichtig bei Hirnblutung und Schädel-Hirn-Trauma
  • Keine eigenmächtigen sportlichen Anstrengungen.
  • Keine Situationen mit erhöhtem Risiko für erneute Kopfverletzungen.
  • Warnzeichen wie zunehmende Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Erbrechen, Schläfrigkeit oder neue neurologische Ausfälle sofort ärztlich abklären lassen.

Die wichtigste Regel lautet: fordern, aber nicht überfordern. Die besten Fortschritte entstehen meist durch viele kleine, regelmäßige Übungseinheiten und einen nahtlosen Übergang von Akutbehandlung zur Rehabilitation.

Extra Tipp : Suche früh den Kontakt zu anderen Betroffenen.

In einer Rehaklinik triffst Du Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder gerade auch durchleben und viele Deiner Herausforderungen nachvollziehen können. Gemeinsame Gespräche, gegenseitige Unterstützung und neue Freundschaften können helfen, schwierige Tage besser zu bewältigen und die Motivation aufrechtzuerhalten. Oft entstehen daraus wertvolle Kontakte, die auch nach der Rehabilitation bestehen bleiben. Gemeinsam lässt sich ein schweres Schicksal häufig leichter tragen als allein.

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