
Nach einer Gehirnverletzung berichten viele
Betroffene von Vergesslichkeit und Gedächtnisproblemen, die den
Alltag spürbar beeinflussen können.
Selbst einfache Informationen, Termine oder Gespräche bleiben oft nicht mehr so leicht im Gedächtnis wie zuvor. Diese Veränderungen können verunsichern und belasten, sind jedoch eine häufige Folge von Hirnschädigungen.
Ein besseres Verständnis der Ursachen und geeignete Strategien im Umgang damit können helfen, den Alltag wieder strukturierter und selbstständiger zu gestalten.
Vergesslichkeit nach einer Gehirnverletzung ist ein häufiges Symptom und kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein – je nach Art, Ort und Schwere der Verletzung.
Warum kommt es dazu?
Das Gehirn steuert das Gedächtnis über verschiedene Bereiche (z. B. Hippocampus, Frontallappen). Wird einer dieser Bereiche durch z. B. ein Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall oder eine andere Verletzung beeinträchtigt, können Gedächtnisfunktionen gestört werden.
Typische Formen der Vergesslichkeit
Nach einer Gehirnverletzung können verschiedene Gedächtnisprobleme auftreten:
- Kurzzeitgedächtnis-Störungen → Neue Informationen werden schlecht behalten (z. B. Gespräche, Termine)
- Retrograde Amnesie → Erinnerungen aus der Zeit vor der Verletzung fehlen teilweise oder ganz
- Anterograde Amnesie → Es fällt schwer, neue Erinnerungen zu bilden
- Alltagsvergessenheit → Häufiges Verlieren von Dingen, Vergessen von Aufgaben oder Namen
Begleitende Symptome
Oft treten zusätzlich auf:
- Konzentrationsprobleme
- Langsames Denken
- Müdigkeit (mentale Erschöpfung)
- Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen
Was kann helfen?
Die gute Nachricht: Das Gehirn kann sich teilweise anpassen (Neuroplastizität). Hilfreich sind z. B.:
- Neuropsychologische Therapie (Gedächtnistraining)
- Strukturen im Alltag (feste Routinen, Listen, Kalender)
- Hilfsmittel (Notizen, Smartphone-Erinnerungen)
- Geduld und langsame Steigerung der Belastung
Verlauf
- Manche Gedächtnisprobleme verbessern sich innerhalb von Wochen/Monaten
- Bei stärkeren Verletzungen können sie länger bestehen bleiben
- Frühzeitige Therapie verbessert die Chancen auf Erholung

Hier sind einige einfache und praktische Tipps im Umgang mit Vergesslichkeit nach einer Gehirnverletzung:
- Alles aufschreiben
Notizbuch oder Handy nutzen für Termine, Aufgaben und Gedanken. - Feste Routinen entwickeln
Gleiche Abläufe jeden Tag helfen dem Gehirn, sich zu orientieren. - Erinnerungen einstellen
Wecker oder Apps für Termine und wichtige Aufgaben verwenden. - Gedächtnis entlasten
Wichtige Dinge immer am gleichen Ort aufbewahren (z. B. Schlüssel). - Gedächtnis trainieren
Einfache Übungen wie Wiederholen, Zuordnen oder kleine Denkspiele. - Pausen einlegen
Überforderung verschlechtert die Merkfähigkeit – Erholung ist wichtig. - Informationen wiederholen lassen
Nachfragen oder laut wiederholen hilft beim Speichern.
Diese kleinen Strategien können im Alltag einen großen Unterschied machen.
Hier sind praktische Gedächtnis-Trainingsübungen für den Alltag, die sich gut nach einer Gehirnverletzung umsetzen lassen:
Alltagstraining für das Gedächtnis
1. Wiederholen und laut aussprechen
- Neue Informationen (z. B. Namen, Termine) mehrmals laut sagen
- Beispiel: „Termin beim Arzt morgen um 10 Uhr“
2. Dinge bewusst ablegen
- Gegenstände immer am gleichen Ort platzieren
- Dabei innerlich sagen: „Ich lege den Schlüssel auf den Tisch“
3. Kleine Merkaufgaben
- Einkaufsliste kurz anschauen → dann versuchen, ohne Liste zu merken
- Erst danach kontrollieren
4. Tagesrückblick
- Abends überlegen:
- Was habe ich heute gemacht?
- Wen habe ich getroffen?
- Optional aufschreiben
5. Routinen nutzen
- Feste Abläufe (z. B. Morgen- oder Abendroutine)
- Das entlastet das Gedächtnis und stärkt Sicherheit
6. Einfache Denkspiele
- Kreuzworträtsel, Sudoku oder Memory
- Auch Apps können helfen (nur nicht überfordern)
7. In kleinen Schritten üben
- Lieber kurz & regelmäßig (10–15 Minuten täglich)
- Pausen machen bei Müdigkeit
8. Aufmerksamkeit trainieren
- Sich bewusst auf eine Aufgabe konzentrieren
- Ablenkungen vermeiden (z. B. Handy aus)
Wichtig: Fortschritte brauchen Zeit – kleine Erfolge zählen!
Hier sind einfache Eselsbrücken (Merkhilfen), die dir im Alltag helfen können, Dinge leichter zu behalten:
Eselsbrücken-Tipps
1. Verknüpfen statt auswendig lernen
Verbinde neue Informationen mit etwas Bekanntem.
Beispiel: „Der Arzt heißt Rose“ → Stelle dir eine rote Rose beim Arzt vor
2. Bilder im Kopf erzeugen
Je verrückter oder bildhafter, desto besser merkt man es sich.
Beispiel: Einkauf: Milch, Brot, Äpfel →
Stell dir vor, ein Apfel sitzt auf einem Brot und trinkt Milch
3. Anfangsbuchstaben nutzen
Erstelle ein Wort aus den Anfangsbuchstaben.
Beispiel: M, B, A → „MBA“ (Milch, Brot, Apfel)
4. Reimen oder Rhythmus nutzen
Dinge in einen kleinen Reim oder Satz packen.
Beispiel: „Um zehn zum Arzt – ich vergess es nicht, auch wenn ich’s hass’“
5. Orte-Methode (Gedächtnispalast)
Verbinde Dinge mit Orten, die du gut kennst.
Schlüssel → Haustür Termin → Küchenstuhl
Beim „inneren Rundgang“ erinnerst du dich leichter
6. Wiederholen mit Bedeutung
Nicht nur wiederholen, sondern verstehen + verknüpfen. Laut sagen + dabei vorstellen hilft besonders gut
Wichtig: Eselsbrücken funktionieren besser, wenn sie persönlich, einfach und ein bisschen lustig sind.