Das Déjerine-Roussy-Syndrom (Thalamussyndrom) ist eine seltene Form des zentralen neuropathischen Schmerzes, die meist nach einem ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall im Thalamus (v.a. Nucleus ventralis posterolateralis, VPL) auftritt. Es ist durch kontralaterale Schmerzen, Missempfindungen (Dysästhesien) und Gefühlsstörungen (Hemihypästhesie) gekennzeichnet.
Wichtige Fakten zum Déjerine-Roussy-Syndrom:
- Ursachen: Häufigste Ursache ist ein Schlaganfall im Bereich des Thalamus. Seltener können Tumore oder traumatische Verletzungen, die den Thalamus betreffen, das Syndrom auslösen.
- Symptome:
- Kontralaterale Schmerzen: Intensiv, oft brennend oder stechend, auf der dem Hirnschaden gegenüberliegenden Körperseite.
- Sensorische Defizite: Anfängliche Gefühlsstörungen (Hemihypästhesie) können sich zu einer Überempfindlichkeit (Hyperästhesie/Allodynie) entwickeln.
- Dysästhesien/Parästhesien: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder schmerzhafte Missempfindungen.
- Begleitsymptome: Gelegentlich treten Ataxie, Hemiparese oder Choreoathetose auf der betroffenen Seite auf.
- Pathophysiologie: Die Schädigung im Thalamus unterbricht sensorische Bahnen (Deafferenzierung) und führt zu einer veränderten Reizverarbeitung, was Schmerzreize im Kortex verstärkt (thalamokortikale Disinhibition).
- Diagnose & Behandlung: Die Diagnose erfolgt primär durch Anamnese und Bildgebung (MRT/CT). Die Behandlung ist schwierig (oft refraktär) und umfasst medikamentöse Ansätze (Antidepressiva, Antikonvulsiva) sowie Schmerztherapie.
- Entdeckung: Das Syndrom wurde 1906 von den Neurologen Joseph Jules Dejerine und Gustave Roussy beschrieben.
Das Déjerine-Roussy-Syndrom darf nicht mit dem Déjerine-Sottas-Syndrom (einer hereditären Neuropathie) verwechselt werden.