Anosognosie ist eine hirnorganisch bedingte Unfähigkeit, die eigene Erkrankung, Behinderung oder körperliche Einschränkungen (wie Lähmungen oder Gedächtnisverluste) zu erkennen oder wahrzunehmen. Betroffene verhalten sich, als sei ihre Beeinträchtigung nicht vorhanden, was keine psychische Verweigerung, sondern Teil der neurologischen Störung ist. Sie tritt oft bei Schlaganfällen, Demenz oder frontotemporaler Demenz (FTD) auf.
Kernmerkmale und Symptome:
- Mangelnde Einsicht: Patienten leugnen oder relativieren ihre Störungen.
- Verzerrte Selbstwahrnehmung: Körperliche Defizite (z.B. halbseitige Lähmung – Hemiplegie) werden nicht erkannt.
- Rationalisierungen: Treten Probleme auf, werden diese oft mit Müdigkeit oder anderen äußeren Faktoren erklärt
- Unbesorgtheit: Oft fehlt der Leidensdruck, und der Affekt passt nicht zur schweren Situation.
- Verhalten bei FTD: Symptome können auch Impulsivität, mangelndes Sicherheitsbewusstsein und Persönlichkeitsveränderungen umfassen.
Ursachen und Hintergründe:
- Neurologische Störung: Es handelt sich um ein hirnorganisches Geschehen, meist nach Schlaganfällen in der rechten Hemisphäre oder bei Demenz.
- Abgrenzung: Es ist von psychologischer Verleugnung zu unterscheiden; der Patient glaubt fest, dass nichts Schlimmes vorliegt.
- Anton-Syndrom: Eine spezielle Form, bei der eine zerebrale Blindheit nicht wahrgenommen wird.
Umgang mit Betroffenen:
- Kein Widerspruch: Es ist wichtig, nicht über die Krankheit zu streiten, da dies zu Angst oder Aggression führen kann.
- Empathie: Angehörige sollten die Erkrankung als Ursache der fehlenden Einsicht verstehen.
- Sicherheit: Aufgrund der fehlenden Einschätzung von Gefahren ist oft Unterstützung im Alltag nötig.